

Jeder dritte deutsche See liegt im Südwesten, der größte ist der Bodensee. Das "schwäbische Meer" entstand, als vor 12.000 Jahren die letzten Eiszeitgletscher schmolzen. An seinen Ufern siedelten sich Menschen an, es entstand die größte Siedlungsdichte der prähistorischen Zeit. Der Bodensee lieferte den Menschen der Jungsteinzeit Trinkwasser und Nahrung; Pfahlbauten boten Schutz vor wilden Tieren und Überschwemmungen.
Seen prägen das Gesicht des Südwestens, und sie sind wahre Verwandlungskünstler. In den Mooren kämpft das Land noch mit dem Wasser und behält meistens die Oberhand. Im Wurzacher Ried hilft der Biber bei der Renaturierung des stillgelegten Torf-Abbaus. Die Hälfte der stehenden Gewässer im Südwesten hat jedoch nicht die Natur, sondern der Mensch angelegt. Die Westerwälder Seenplatte etwa ist einem Grafen zu verdanken, der im 17. Jahrhundert einen Fischteich nach dem anderen graben ließ.
Viele der künstlichen Seen entstanden als Trinkwasser-Reservoir wie die Primstalsperre im Saarland oder als Stromquelle wie der Schluchsee, der als Pumpspeicherwerk auch Strom speichern kann. Eher unauffällig, aber sehr beliebt sind Seen, die ihre Entstehung dem Bagger verdanken. Durch Kiesabbau füllten sich ihre Löcher mit Grundwasser, und die Gemeinden in der Nachbarschaft bekamen so ihren Freizeitsee. Etliche dieser Baggerseen liegen entlang des Rheins.
Einige Seen sind Fenster in die Erdgeschichte wie die Maare der Vulkaneifel, deren Krater sich mit Wasser gefüllt haben. Andere Seen sind interessant dank der Menschen, die sie nutzen. Der Klosterfischer Ansgar Hehenkamp am Laacher See hat einen Arbeitsplatz, um den ihn viele beneiden. Wenn er frühmorgens seine Netze einholt, wird er eins mit der Natur und seinen Vorgängern, die in der Steinzeit mit Netzen aus Frauenhaar die Felchen aus dem See holten. Eine ganz andere Sicht auf den See hat Kirsten Söller, die im Burkheimer Baggersee am Fuße des Kaiserstuhls immer neue von ihr entworfene Schwimmanzüge im Nixendesign testet. Bis nach Australien verkauft sie die Traumgewänder, und auch in Deutschland gibt es schon einige Schulen, in denen man lernen kann, wie die Meerjungfrau Arielle zu schwimmen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 14.05.2017 um 13:40 Uhr auf WDR.