

Das Wort Radikalisierung wird in Molenbeek nicht gern gehört, dennoch ist es allgegenwärtig. Nach den Anschlägen von Paris und Brüssel im Frühjahr 2016 wurde in der Gemeinde die Antiradikalisierung groß geschrieben. Geld gab es dafür jedoch nicht. Der Streetworker Hakim Naji kennt die Probleme des Viertels. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 55 Prozent, die Schulabbrecherquote bei 75 Prozent. Wer einen Abschluss in der Tasche hat, hat dennoch wenig Aussichten mit einem Lebenslauf, auf dem Mohamed und Molenbeek stehen, einen guten Job zu finden. Und der Staat? Er überlässt die überforderten Schulen sich selbst. Stattdessen patrouilliert schwer bewaffnetes Militär durch die Straßen des Viertels. Abschreckung statt Integration.
In Hinterhofmoscheen und direkt auf der Straße wurden Jugendliche von selbst ernannten Imamen angesprochen und für den Syrienkrieg rekrutiert. Mehr als fünfhundert Belgier zogen in den Dschihad, unrühmlicher Spitzenwert in Europa. Viele der Attentäter von Brüssel oder Paris stammen aus Molenbeek, einem armen Einwandererviertel mitten in Brüssel.
Mutter Veronique Loute hat ihren Sohn Sammy an den IS verloren. Er war einer der ersten, die aus Molenbeek auszogen, um in Syrien zu kämpfen. Ihr Sohn ist mittlerweile gestorben, ihr Kampf geht jedoch weiter, gemeinsam mit anderen Eltern aus dem Viertel hat sie sich in einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen, um Eltern und Jugendliche vor den Gefahren der Radikalisierung zu warnen.
Gegen die Radikalisierung kämpft das Kulturzentrum "Foyer". Es holt die Jugendlichen von der Straße, versucht mit Musik- oder Tanzprojekten das Selbstbewusstsein der "Ghettokids" zu stärken. Foyer-Leiter Johann Leman fasst zusammen, was traurige Wahrheit ist: "Wer etwas aus seinem Leben machen will, muss hier weg". Doch das ist schwer.
Kampfesgeist statt Resignation spürt man dagegen im Boxclub von Mohamed Benyaich. Der Sportclubs ist derzeit Molenbeeks ganzer Stolz. Hier trainiert nicht nur der derzeitige Weltmeister im Kickboxen, hier trainieren Jungs wie Mädchen, Bäcker und Studenten nebeneinander und alle mit dem gleichen Ziel: mit Respekt und Selbstvertrauen die täglichen Herausforderungen in ihrem Viertel zu meistern.
Film von Bettina Scharkus
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 03.05.2017 um 16:45 Uhr auf Phoenix.