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Rätsel RAF-Terror

Film von Michael Krons und Eva Wormit
Freitag, 28.04.2017 01:10 Uhr
Phoenix
Freitag
28.04.2017
01:10 Uhr
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Er spricht unter anderem mit Michael Buback, Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Außerdem berichten Augenzeugen im Gespräch mit ihm exklusiv über ihre Erlebnisse in der "Bleiernen Zeit": Michael Wocke beobachtet 1977 aus nächster Nähe, wie der damalige Generalbundesanwalt Sigfried Buback erschossen wurde. Andreas Geyr war zehn Jahre alt, als er von seinem Kinderzimmer aus die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer mitbekommt. Klaus Pflieger, ehemaliger Bundesanwalt, untersucht damals die Todesnacht von Stammheim. Auch Rainer Hofmeyer kommt zu Wort: Der ehemalige Abteilungspräsident beim BKA war der RAF mehr als 30 Jahre lang auf den Fersen.Neue Erkenntnisse zum Rohwedder-Mord
Den phoenix-Autoren Michael Krons und Eva Wormit gelang es für die Dokumentation, neue Antworten und Fakten für die brisante Frage zu finden, warum so viele RAF-Morde ein Rätsel blieben. So im Falle des Mordanschlages auf den Chef der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, am Ostermontag 1. April 1991. Die Fenster seines Hauses in Düsseldorf-Oberkassel sind nur im Erdgeschoss gesichert, nicht im ersten Stock, wo sein Arbeitszimmer liegt. Auch dauerhafte Bewachung fehlt. 25 Jahre nach der Tat bricht seine Witwe Hergard Rohwedder für den phoenix-Film ihr Schweigen und erhebt schwere Vorwürfe gegen deutsche Sicherheitskräfte. Nach ihrer Darstellung gab es vorher sogar konkrete Hinweise auf eine Gefahr. Sie beobachtet verdächtige Fahrzeuge und Passanten, und bittet unmittelbar vor Ostern die verantwortlichen Sicherheitsbehörden um mehr Schutz: "Ich habe am Gründonnerstagabend darauf hingewiesen. Die Beamten erwiderten, sie hätten das Prinzip der verdeckten Fahndung und könnten schließlich nicht mit einem Schiffchen auf dem Rhein hin und her fahren. Mein Vorschlag Objektschutz wurde brüsk zurückgewiesen. Ein Warnbrief der Treuhand in Berlin blieb, da es Ostern war, in der Poststelle des Innenministeriums liegen." Ihren Hinweisen und der Bitte um verstärkte Schutzmaßnahmen geht niemand nach. Am Ostermontag gegen 23.30 Uhr wird ihr Mann dann durch das Fenster in seinem Arbeitszimmer getötet.Attentat auf Schießstand nachgestellt
Ein weiteres Rätsel im Fall Rohwedder: Der Schütze schoss den Ermittlern zufolge aus 63 Metern Entfernung. Musste der Attentäter ein ausgebildeter Scharfschütze sein? Diese Frage ist entscheidend. Denn bei der RAF gab es keine professionellen Schützen. Was ist dran an der populären These, ein Scharfschütze der Stasi sei am Attentat beteiligt gewesen? "Je weiter wir in der Recherche kamen, umso merkwürdiger empfand ich, wie schnell wir uns alle mit einfachen Erklärungen zufrieden geben sollen", so phoenix-Autor Michael Krons. "Etwa bei der angeblichen Beteiligung der Stasi im Mordfall Rohwedder.
Diese Annahme haben wir schon durch eine einfache Nachstellung des Attentats mit einem Schießtest in Frage stellen können." Weitere offene Fragen existieren im Fall des RAF-Attentats auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977. Erst über drei Jahrzehnte später kommt es zur Anklage gegen Verena Becker wegen Mittäterschaft an seiner Ermordung. Im Vorfeld des Prozesses stellt die Bundeanwaltschaft fest: In den Fall-Unterlagen fehlen Verfassungsschutzakten. "Wie kann es geschehen, dass in einer ordentlich arbeitenden Behörde Akten verschwinden", sagt in der phoenix-Dokumentation Rainer Griesbaum, damals Abteilungsleiter Terrorismus der Bundesanwaltschaft, "Wir haben in Büchern nachgeschaut, in Registern, haben ehemalige Kollegen befragt nach diesen Unterlagen. Sie waren nicht auffindbar. Das war äußerst ärgerlich für uns und natürlich in der Sache ein gewisser Rückschlag."
Nach mühsamen Rekonstruktionsversuchen konnten die Inhalte nur teilweise rekonstruiert werden, insbesondere der Hinweis, von wem der Verfassungsschutz Erkenntnisse zum Buback-Mord hatte, und in welchem Zusammenhang sie angefallen sind, standen unter sogenanntem "Quellenschutz" und somit für die Hauptverhandlung gegen Verena Becker nicht zur Verfügung. "Ich habe die Zeit des Deutschen Herbstes 1977 zwar nicht persönlich erlebt", so phoenix-Autorin Eva Wormit, "und finde es umso besorgniserregender, dass Probleme bei der Suche nach den Tätern wie zum Beispiel die Zusammenarbeit von Landes- und Bundesämtern oder die Problematik beim Einsatz von V- Leuten heute noch genau so aktuell sind wie vor 40 Jahren."

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 28.04.2017 um 01:10 Uhr auf Phoenix.