Einst baute sich ein Chorherr des Klosters Schussenried aus Vogelfedern ein Paar Flügel, mit denen er durch die Luft segeln wollte. Doch das Vorhaben scheiterte am Veto des Abts, der kurzerhand die beiden Schwingen konfiszierte: "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegen könne, hätte er ihm Flügel wachsen lassen." Das war im Jahr 1615. Doch noch zweihundert Jahre später hielt sich in Schussenried die Legende vom fliegenden Pater Caspar Mohr: Zwei Stunden sei er vom Kirchturm des Klosters aus mit seinem Fluggerät über die Pfarreien der Umgebung gesegelt. Die Legende ist im Glanzstück des Klosters, im Bibliothekssaal, abgebildet. Von beeindruckendem Prunk, gehört der Saal zu den großartigsten Barockschöpfungen Süddeutschlands. Doch vieles ist mit der Säkularisation verloren gegangen. Heute wird das Kloster sehr unterschiedlich genutzt. Man findet zum Beispiel eine Bürstenmanufaktur, eine Schwäbische Mundartbibliothek und ein Kutschenmuseum. Geblieben von der klösterlichen Pracht ist die Wallfahrtskirche im benachbarten Steinhausen, die im 18. Jahrhundert entstand. Bauherr Abt Ströbele verkalkulierte sich einst gewaltig mit den Kosten: Aus den geplanten 9.000 wurden mehr als 43.000 Gulden. Ströbele brachte es damals großen Ärger ein - heute ist es ein Glücksfall: Die Kirche von Steinhausen gilt unter Barockliebhabern als die "schönste Dorfkirche der Welt".
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 14.04.2017 um 13:30 Uhr auf ARD alpha.