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Für Bayern mit Napoleon - Der Russlandfeldzug von 1812 (2/2)

Bündnisfall - Bündnisfalle
Samstag, 11.03.2017 20:15 Uhr
ARD alpha
Samstag
11.03.2017
20:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Im Mittelpunkt der zweiteiligen Dokumentation stehen die Erlebnisse einfacher bayerischer Soldaten, die das neu geschaffene Königreich Bayern im Rahmen seiner Bündnisverpflichtung auf Napoleons Befehl hin stellen musste. Waren sie patriotische Kämpfer, die begeistert für Bayern in den Kampf zogen, oder wurden sie gezwungen ihr Leben für einen König und einen Staat einzusetzen, den sie nicht, oder noch nicht für den ihren hielten?
Ende Dezember 1812 wird es in München zur Gewissheit: Die Bayerische Armee ist in Russland untergegangen. Nicht einmal zehn Prozent der 35 000 Mann, die kaum ein Jahr zuvor auf Napoleons Befehl nach Russland aufgebrochen sind, werden heimkehren. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?
König Max I. Joseph setzt eine Untersuchungskommission ein, die alle Überlebenden des Russlandfeldzugs genau befragen soll, was geschehen ist. Die unterschiedlichen Erlebnisse der Heimkehrer ergeben ein klares Bild von den vielfältigen Ursachen für den Untergang der bayerischen Armee, aber auch von den Schrecken, Entbehrungen und Gefahren, denen sie ausgeliefert waren, und die so viele nicht überlebten.
Der Autor führt hinein in die Erlebniswelt dieser Männer. Probleme, Strapazen und Entbehrungen des Alltags der Soldaten werden deutlich. Wie sahen Uniform, Ausrüstung und Schuhe der Soldaten aus, warum sahen sie so aus? Welchen Einfluss hatte das Wetter auf die Einsatzfähigkeit der Soldaten? Mit welchen typischen Krankheiten hatten es die Soldaten zu tun? Wie gut und regelmäßig gab es Verpflegung? Konnten Kranke und Verletzte mit ärztlicher Versorgung rechnen? Auch diesen Fragen geht der Zweiteiler mit anschaulichen Bildern und Beispielen nach.
Für Bayern wird der Bündnisfall mit Frankreich im Rheinbund zur Bündnisfalle. Für seinen Drang zum immer mächtigeren Staat und das Königreich zahlen Soldaten wie der Feldwebel Joseph Schrafel oder der Oberstabsmedicus Dr. Martin Köhler einen hohen Preis.
Die ausreichende Versorgung der Marschierenden bricht schon am Beginn des Russlandfeldzuges zusammen. Die seit 1811 angelegten Magazine und Getreidelager erweisen sich als zu weit entfernt von der Marschroute der Truppen. Das Prinzip, sich aus dem Land, durch das die Armee zieht, selbst zu ernähren, versagt bei Heeresstärken über 100 000 Mann. Verschärft wird das Versorgungsproblem durch die befohlene hohe Marschleistung. Dem sind Tross und Versorgungstransporte nicht gewachsen. So setzt in manchen Einheiten noch im befreundeten Großherzogtum Warschau der Hunger ein.
Darunter leidet vor allem die Disziplin. Auf der Suche nach Essbarem und vor allem Trinkwasser verlassen viele Soldaten ihre Einheiten. Schätzungen gehen davon aus, dass aus der Grande Armée schon in den ersten sechs Wochen 50.000 Mann desertieren um zu überleben.
Während die bayerische Armee in Russland fast vollständig untergeht, wird in der Heimat die Stimmung in der Bevölkerung zu einem Problem. Mit Agenten, einer von ihnen der Geheimpolizist Paul Döhner, will der leitende Minister Maximilian Graf Montgelas in Erfahrung bringen, wie das Volk denkt. Die Wirtshausprotokolle zeigen eine große Verunsicherung und eine wachsende Stimmung gegen Frankreich und Napoleon.
Das berühmte 29. Bulletin, in dem die Franzosen ihre Niederlage in Russland eingestehen, wird in München mit großem Jubel aufgenommen. Niemanden, so scheint es, bekümmert es, dass mit der Grande Armée auch tausende ihrer bayerischen Landsleute umgekommen sind. Bis zum Frühjahr 1813 ändert sich daran wenig. Der Münchner Polizeidirektor Stetten verhaftet das berühmte Münchner Original Finessen-Sepperl, weil einer seiner Reime in Münchens Straßen allgegenwärtig ist: "Eins zwei drei - Mit dem Napoleon ist's vorbei - zwei drei vier - Die Russen sind bald hier".
Schließlich macht Stetten im Februar 1813 einen Vorschlag, die aufgeladene politische Stimmung in München ein wenig zu dämpfen: Die Sperrstunde soll während des Faschings verlängert werden - um die Energie der Menschen von der Politik abzulenken.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 11.03.2017 um 20:15 Uhr auf ARD alpha.

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