

Zu Kaisers Zeiten reiste die vornehme Gesellschaft in die Sommerfrische. Wer es sich leisten konnte, kurte in einem der Ostseebäder. Die Berliner Hautevolee fuhr regelmäßig mit dem gesamten Hausstand in ihre Sommerresidenzen. Die Gebäude in den Seebädern sehen wie Ableger der Stadthäuser in den Berliner Villenvierteln Grunewald, Wannsee und Lichterfelde aus. Bis heute ist viel von dem Charme des 19. Jahrhunderts in den Seebädern auf Rügen und Usedom erhalten geblieben.
* Die "weißen Perlen" an der Ostsee
Die sogenannte Bäderarchitektur zeichnet sich nicht durch einen einheitlichen Baustil aus. Die Architekten bedienen sich unterschiedlicher Elemente aus Renaissance, dem Barock, der Gründerzeit und dem Jugendstil. Erlaubt ist, was gefällt und den Reichtum der Besitzer zeigt. Viele der luxuriösen Sommerhäuser liegen an der Promenade direkt am Meer. So unterschiedlich im Stil sie auch sind, haben viele dieser Bädervillen doch eine Gemeinsamkeit: feine Holzschnitzarbeiten an den Balkonen und Laubengängen. Meist sind die Häuser und die Verzierungen in Weiß gehalten. Daher auch die Bezeichnung "weiße Perlen".
* Feine Holzschnitzarbeiten als Inspiration
Manch eine Villa, die zu DDR-Zeiten als Erholungsheim diente, wurde nach der Wende aufwändig restauriert. Es gibt nur noch wenige Handwerker, die wissen, wie die alten Holzschnitzarbeiten gefertigt werden. Frank Borchert ist auf die Sanierung von Balkonen an den Bädervillen spezialisiert. Er kennt sich mit der Formensprache der Verzierungen aus und weiß, welches Holz er nehmen muss, damit die neuen Holzelemente Regen und Seewind lange trotzen. Das Schnörkelwerk an den Balkonen der alten Villen inspiriert auch die Goldschmiedin Rebecca Grob. Sie stellt Silberringe her, die die Muster aufnehmen und nennt diese Schmuckstücke für Damen und Herren "Bäderarchitektur-Kollektion".
* Von der Bäderarchitektur zum DDR-Plattenbau
An der Ostsee wurde zu jeder Zeit gebaut: Aus der Kaiserzeit ist die verschnörkelte Bäderarchitektur geblieben. Die Nazis planten in Prora ein fast fünf Kilometer langes Urlaubergebäude. Und in der DDR standen Plattenbau- Ferienheime, aber auch Kulturhäuser zur Erholung für die Werktätigen ganz hoch im Kurs. Wie die Villen im 19. Jahrhundert waren einige Feriendomizile aus der DDR-Zeit ausgewählten Gästen vorbehalten: Das Cliff Hotel in Sellin stand nur den Mitgliedern des Zentralkomittees der SED offen. Heute kann jeder zahlende Gast im Hotelpool seine Bahnen ziehen. Und das unter einer ganz besonderen Deckenkonstruktion, geschaffen vom Binzer Baumeister Ulrich Müther. Ein beliebtes Fotomotiv ist ein Gebäude in Binz, das wie ein extraterrestrisches Raumschiff aussieht. Ulrich Müther hat auch diesen Rettungsturm gebaut. Heute wird er als Standesamt genutzt. Müther gestaltete mit Beton. Seine Bauten wirken aber nicht betonschwer, sondern leicht und filigran. Auf Rügen gibt es dafür viele Beispiele: die Kurmuschel in Sassnitz, die Bushaltestelle in Buschvitz oder das Kinderferienlager in Lietzow.
* Geocaching als Freizeitvergnügen
Urlauber auf den Inseln kommen unweigerlich an der ein oder anderen architektonischen Perle vorbei. Bei einer modernen Schatzsuche mit GPS-Gerät zum Beispiel sind Architekturschätze auf der Strecke eingeschlossen. Mit Koordinaten, die in das GPS-Gerät eingegeben werden, setzt man sich auf die Spur eines versteckten Schatzes, den es zu finden gilt. Die GPS-Geräte werden im Haus des Gastes in Binz verliehen.
* Zu Fuß und per Rad unterwegs
Auf Rügen und Usedom gibt es ein gut ausgebautes Radwegenetz. An vielen Stellen kann man Fahrräder mieten. UsedomRad heißt die Idee und funktioniert wie der Fahrradverleih in einigen großen Städten: Urlauber können an einer Stelle ein Rad ausleihen und es an einer anderen wieder abgeben. Wenn ein Radler einen platten Reifen hat, dann kommt sogar Hilfe mit einem Ersatzrad. Usedom und Rügen sind ideal für eine entspannte "Landpartie" auf dem Fahrrad, Strandleben und Badespaß eingeschloss
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Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 25.02.2017 um 11:30 Uhr auf NDR.