Silke Döbel ist Mutter, Kellnerin und Kämpferin. Die 44-Jährige ist die deutsche Erin Brokovich. Sie hat dem amerikanischen Energiekonzern ExxonMobil den Kampf angesagt. Es geht um Gasbohrungen und um die Diagnose Krebs. Silke Döbel lebt in dem Dorf Hemslingen-Söhlingen in Niedersachsen. Glücklich ist sie hier nicht mehr. Immer mehr Freunde, Bekannte und Nachbarn in ihrem Dorf sind an Krebs erkrankt: "Ich habe in den letzten zwei Jahren acht meiner Freunde beerdigen müssen - aufgrund von Krebs. Die letzte vor drei Wochen und eine kämpft noch" so die 44-Jährige bei einer Demo.
Fracking-Stopp: Rund um den Ort betreibt der Gaskonzern Exxon Mobil 16 Gasförderstellen. Der Konzern hat hier seit Jahrzehnten nach Erdgas gebohrt und im tiefen Sandstein gefrackt. Seit vier Jahren gibt es ein Fracking-Stopp, das könnte sich aber bald ändern, wenn das neue Frackinggesetz verabschiedet wird. Silke Döbel kämpft für ein dauerhaftes Fracking-Stopp und hat in Hemslingen-Söhlingen eine Bürgerinititiative gegründet. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Andreas Rathjens hat Silke Döbel erreicht, dass die Häufigkeit der Krebserkrankungen in ihrer Gemeinde untersucht wurde - und tatsächlich: die Krebsrate bei Lymphdrüsenkrebs und Leukämie ist unter Männern fast doppelt so hoch wie statistisch erwartbar. Die Bürgerinitiative fordert, dass weitere Krebsregister geöffnet werden, denn sie vermuten einen Zusammenhang zwischen den Krebsfällen und den Gasbohrungen. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht. Der Konzern weist einen Zusammenhang als Spekulation zurück und der Energieverband entgegnet, wie wichtig die Gasbohrungen für die Energiewende seien. In der Region hängen zudem viele Arbeitsplätze an den Gasbohrungen, deshalb sind auch die Dorfbewohner gespalten.
Giftstoffe im Boden: Silke Döbel und ihre Bürgerinitiative fühlten sich bislang von den Behörden im Stich gelassen. Auf eigene Faust hatten sie daher den Naturschutzbund beauftragt, Bodenproben zu nehmen. Das Ergebnis: rund um vier ExxonMobil-Anlagen befand sich hochgiftiges Quecksilber im Boden. Laut Landesbergamt musste zudem mehrfach verunreinigte Erde ausgetauscht werden, unter anderem weil durch undichte unterirdische Leitungen giftige Stoffe in Boden und Grundwasser gelangt waren. Das bestätigte auch Exxon Mobil. Nun fordern Silke Döbel und ihre Mitstreiter weitere Untersuchungen von Wasser und Boden, bevor weiter gefrackt wird. Sie wollen das Thema auch auf Bundesebene bringen, denn in Berlin laufen derzeit die Beratungen zum neuen Frackinggesetz. Silke Döbel kämpft dort für strenge Umweltvorschriften, doch sie hat mit ExxonMobil einen starken Gegner.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 26.01.2017 um 09:30 Uhr auf ONE.