Konrad von Preysing, aus einer bedeutenden Münchner Familie stammend, gilt heute als der hellsichtigste und mutigste Wortführer des deutschen Episkopats geenüber dem Nationalsozialismus. 1932 wird er Bischof von Eichstätt, 1935 Bischof von Berlin. 1946 erhebt ihn Papst Pius XII. zum Kardinal. Nach dem Krieg sorgt er gegen die Pressionen der sowjetischen Militärverwaltung umsichtig für sein politisch zerrissenes Bistum. 1935 schreibt Bischof Konrad von Preysing aus Eichstätt einen verzweifelten Brief nach Rom. Er sei nicht der Mann mit den eisernen Nerven, der in dieser Stunde den vakanten Bischofstuhl in Berlin gut ausfüllen könne.
Zwei Wochen später wird er dennoch zum Oberhirten der Berliner Katholiken ernannt. Unter den Augen der nationalsozialistischen Reichsregierung muss Konrad von Preysing das damals politisch brisanteste Bistum in Deutschland führen. Preysing entstammt einem alten bayerischen Adelsgeschlecht. Mit 28 Jahren bricht er die Diplomatenlaufbahn ab und entschließt sich überraschend zum Theologiestudium. 1933 wird er Bischof von Eichstätt - ein Bistum, das er liebt, wo er gerne sein Leben lang geblieben wäre. Im gleichen Jahr 1933 ergreift Hitler die Macht. Preysing, der sich selbst das Naturell einer Rehgeiß zuschreibt, stellt nüchtern fest: "Der gläubige Katholik steht im NS-Staat unter Ausnahmerecht.
"Loyalitäts-Bekenntnisse der Katholischen Kirche zur Reichsregierung, welcher Art auch immer sie seien, lehnt er strikt ab. In der Fuldaer Bischofskonferenz gerät er wegen seiner Geradlinigkeit zunehmend in Konflikt mit deren Vorsitzenden, dem greisen Kardinal Bertram. Kompromisslos tritt Preysing für die unveräußerlichen Rechte aller Menschen ein. Er lässt in Berlin ein Hilfswerk für verfolgte Juden einrichten, das zunächst Domprobst Lichtenberg leitet. Nach dessen Verhaftung stellt sich der Bischof selbst an die Spitze des Hilfswerks.
Als Papst Pius XII. 1946 neben dem Münsteraner Bischof von Galen und dem Kölner Erzbischof Frings Konrad von Preysing zum Kardinal ernennt, setzt er ein Zeichen: Auch im nationalsozialistischen Deutschland gab es Kirchenmänner, die widerstanden. Die Dokumentation folgt den Stationen von Preysings Leben und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen.
Themenreihe: "Kirche im 20. Jahrhundert - NS-Zeit"
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 22.01.2017 um 13:15 Uhr auf ARD alpha.