Wale sind die größten Meeressäuger der Erde. Sie durchqueren die kältesten Gewässer, geschützt von der dicksten Fettschicht. Die meisten ernähren sich vom kleinsten Meeresgetier, nur der Pottwal taucht auf der Suche nach Riesenkraken bis in die größten Tiefen. Die Ozeanriesen kennen keine natürlichen Feinde, einige werden über 200 Jahre alt. Zugleich ist der "Herrscher der Meere" einer der begehrtesten Rohstofflieferanten der Welt. Von der Arktis bis zur Antarktis gejagt, dient sein Fleisch als Grundnahrungsmittel, das Walfett als Ausgangsstoff für Lampenöl und Kerzen.
Schon vor 3.000 Jahren war die Jagd auf den Nordkaper die Lebensgrundlage der Inuit in Alaska. Ausgelöst wird der kommerzielle Walfang der Neuzeit nicht zuletzt durch einen Modeartikel, das Korsett! Um 1600 gelten die flexiblen Walbarten als die komfortabelsten Korsettstäbe, solange bis die Bestände an Bartenwalen zwischen Nordsee und Grönland erschöpft sind.
Die Jagd auf den Pottwal wird zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Denn in seinem Kopf speichert er "Walrat", das beste Schmierfett: Es treibt das Räderwerk der Dampfmaschinen, die Zahnräder von Uhren und Nähmaschinen und später sogar die Motoren der Automobile. Nicht genug: Der Pottwal liefert auch begehrte Rohstoffe für Seife und Waschmittel, für Cremes und Lippenstifte, sogar für Parfüm.
Im 20. Jahrhundert werden Margarine und Nitroglyzerin für Sprengstoff kriegswichtige Produkte. Und auch dafür liefert der Wal den Rohstoff! In den 30er Jahren schickt Deutschland eine Flotte aus Fabrikschiffen in die eisigen Gewässer der Antarktis.
Der Boom ist heute vorbei. Walfänger werden nun von Greenpeace gejagt und Wale fast nur noch mit der Kamera - beim "Whale Watching".
Der Mensch griff seit jeher in die Welt der Tiere ein. Doch auch Tiere schrieben an unserer Geschichte mit: Da wäre zum Beispiel der Seeotter. Wegen seines begehrten Fells wurde Alaska von Russland besiedelt und das Tier fast bis zur Ausrottung gejagt. Oder das Pferd: Mit nur 15 Reitern konnte der Eroberer Hernán Cortés das Aztekenreich einnehmen. Und wer hätte gewusst, dass der Wal früher nicht nur als Nahrungsmittel diente, sondern auch den begehrten Rohstoff für Seife, Cremes und Lippenstifte lieferte? Selbst die Walbarten fanden Verwendung als Korsettstangen. Ob Pferd, Wal oder Taube - bei vielen kulturgeschichtlichen und geopolitischen Umwälzungen waren Tiere federführend. Die Dokumentationsreihe stellt insgesamt sechs Tiere vor, die, jedes auf seine Weise, den Lauf der Weltgeschichte mitgeprägt haben.
Ein Film von Volker Arzt und Claudine Pachnicke.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 06.01.2017 um 15:00 Uhr auf Phoenix.