Über die Seidenstrasse gelangt die Luxusware von Xian bis nach Europa, wo sie schließlich mit Gold aufgewogen wird. Besonders im Alten Rom liebt man den teuren durchsichtigen Stoff aus dem unbekannten Osten.
Die Seidenherstellung ist ein gut gehütetes Staatsgeheimnis. Aber im Jahr 551 gelingt ein spektakulärer Spionage-Coup. Kaiser Justinian I. schickt zwei Mönche nach China. Bei ihrer Rückkehr schmuggeln sie Raupeneiern und Maulbeersamen in ihren Stöcken bis nach Konstantinopel. Seidenraupen fressen ausschließlich die Blätter des Maulbeerbaumes: allein für ein Seidenkleid werden über 70 Kilo davon verspeist.
Von da an breitet sich die kleine Raupe in Europa aus. In Frankreich zettelt sie Revolutionen an, in Preußen betört sie Friedrich den Grossen und überall inspiriert sie Ingenieure zu überraschenden Erfindungen. So wird der leichteste Stoff der Welt auch zum Favoriten der Luftfahrt: Das erste Motorflugzeug und die frühen Fallschirme fliegen dank Seide.
Damit nicht genug, entdeckt im 20. Jahrhundert auch die Schönheitsindustrie die Fähigkeiten des Spinnkünstlers. Seidenproteine sind optimale Feuchtigkeitsspender. Der seidene Faden bringt der Kosmetikbranche Millionen ein. Und die Seidenraupe setzt ihren Siegeszug fort. Inzwischen ist sie auch in Brasilien heimisch, wo die feinste und exklusivste Seide hergestellt wird, in echtes Hightech-Garn.
Der Mensch griff seit jeher in die Welt der Tiere ein. Doch auch Tiere schrieben an unserer Geschichte mit: Da wäre zum Beispiel der Seeotter. Wegen seines begehrten Fells wurde Alaska von Russland besiedelt und das Tier fast bis zur Ausrottung gejagt. Oder das Pferd: Mit nur 15 Reitern konnte der Eroberer Hernán Cortés das Aztekenreich einnehmen. Und wer hätte gewusst, dass der Wal früher nicht nur als Nahrungsmittel diente, sondern auch den begehrten Rohstoff für Seife, Cremes und Lippenstifte lieferte? Selbst die Walbarten fanden Verwendung als Korsettstangen. Ob Pferd, Wal oder Taube - bei vielen kulturgeschichtlichen und geopolitischen Umwälzungen waren Tiere federführend. Die Dokumentationsreihe stellt insgesamt sechs Tiere vor, die, jedes auf seine Weise, den Lauf der Weltgeschichte mitgeprägt haben.
Film von Volker Arzt und Claudia Pachnicke
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 06.01.2017 um 13:30 Uhr auf Phoenix.