Als John F. Kennedy am Mittag des 22. November 1963 erschossen wurde und Lyndon B. Johnson unerwartet die Präsidentschaft übernahm, befand sich das Land in einem Schockzustand. Doch Johnson wusste genau, wie mit der Situation umzugehen war, und nahm sofort die Dinge in die Hand. Noch in Dallas sorgte er dafür, dass er an Bord der "Air Force One", neben Jackie Kennedy stehend, von einer eilends herbeigerufenen texanischen Richterin zum Präsidenten vereidigt wurde.
Bereits während seiner Vizepräsidentschaft hatte Johnson die Oberaufsicht über das symbolisch wichtige Weltraumprogramm erhalten und wurde unmittelbar nach dem Mauerbau von Kennedy nach West-Berlin geschickt, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Doch in die Einbringung der Bürgerrechtsgesetze wurde er nicht einbezogen, obwohl er Kennedy hätte helfen können, die Gesetze zur Abschaffung der Rassentrennung auch bei den Südstaatlern durchzubringen. Erst nach Kennedys Tod setzte er sich gegen die Blockaden im Kongress durch und brachte durch kluge Schachzüge die Bürgerrechtsgesetze und Sozialprogramme auf den Weg, die Millionen von diskriminierten Schwarzen den Zugang zu Bildungs- und Berufswegen ermöglichten, der ihnen vorher verwehrt worden war.
Die Präsidentschaftswahl 1964 gewann Johnson mit 61 Prozent eindeutig gegen den republikanischen Kandidaten Barry Goldwater. Es ist bis heute der höchste Wahlsieg in der amerikanischen Geschichte. Johnson ist es zu verdanken, dass Amerika liberaler wurde und sich endlich daran machte, das Versprechen einzulösen, das von der Verfassung garantiert wird: gleiche Chancen für alle.
Lyndon B. Johnson gilt aus heutiger Sicht mehr denn je als politischer Pionier, der sozial und innenpolitisch den zweitwichtigsten Meilenstein des Jahrhunderts seit Franklin D. Roosevelts "New Deal" setzte: Er brachte mit seinem Great-Society-Programm, dem Civil Rights Act, dem Voting Rights Act und mit der Einführung des Medicare- und Medicaid-Programms erfolgreich Gesetze durch, die die amerikanische Gesellschaft bis heute nachhaltig verändert haben.
Die Dokumentation erzählt die Biografie Lyndon B. Johnsons, ausgehend von seiner Rolle als Vizepräsident neben John F. Kennedy, blickt zurück auf den politischen Werdegang des geborenen Texaners und skizziert die unmittelbaren Errungenschaften und Stationen während seiner Präsidentschaft. Mit bisher unveröffentlichtem Tonmaterial aus dem National Archive in Washington D.C., Besuchen an Originalschauplätzen, Interviews und einer Fülle von Archivmaterial rekonstruiert Filmemacherin Claire Walding die Zeit von Johnsons Präsidentschaft in den Jahren 1963 bis 1969. Außerdem zeichnet sie ein genaues Bild der Zeit davor und schildert den Ablauf des 22. November 1963, des Tages, an dem Lyndon B. Johnson dem ermordeten John F. Kennedy als US-Präsident folgte.
Regie: Claire Walding\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 13.12.2016 um 23:25 Uhr auf arte.