Die Veröffentlichung des Tagebuchs ("Kein Recht, nirgends") war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1.200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die zunehmende Marter der Juden, die seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten "in einer Mausefalle" saßen: Willy Cohn beschreibt auch die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in "Erez Israel" vorstellen konnte. Als der Entschluss fiel auszuwandern, war es zu spät. Seine drei ältesten Kinder Louis "Wölfl", Ernst und Ruth hatte Willy Cohn noch rechtzeitig nach Frankreich und Palästina geschickt. So überlebten sie.
Autorin Petra Lidschreiber hat die drei filmisch begleitet: Nach Wroclaw, das Louis Wölfl zum ersten Mal seit 74 Jahren besucht, und nach Israel. Ein anrührender filmischer Dialog zwischen den Kindern und ihrem ermordeten Vater entsteht: Warum kehrte Willy Cohn wieder zurück, als er 1937 mit seiner Frau den Sohn Ernst in Palästina besuchte? Warum zögerte er, die deutsche Heimat zu verlassen? Tochter Ruths Stimme versagt, als sie sich erinnert: "Es hätte so nicht enden müssen ...!"
Drei Jahre vor seinem Tod hatte Willy Cohn notiert: "Meine Hoffnung ist, dass meine Kinder meinen Namen in meinem Sinne fortsetzen werden ..." Am Ende des Films versammelt sich eine Vier-Generationen-Familie zu einem Gruppenfoto. Sie haben Willy Cohns Wunsch wahr gemacht.
Film von Petra Lidschreiber
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 29.11.2016 um 23:15 Uhr auf RBB.