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Das Ende des Erhabenen Staates (1/2)

Vielvölkerstaat versus Osmanisches Reich - Thema: Türkei - Großmacht in der Krise
Dienstag, 22.11.2016 22:20 Uhr
arte
Dienstag
22.11.2016
22:20 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Im Laufe der knapp hundert Jahre von der Unabhängigkeit Griechenlands 1830 bis zu den Balkankriegen zwischen 1912 und 1913 hat sich das Osmanische Reich nach fast 500-jähriger Präsenz auf dem Balkan endgültig aus Europa zurückgezogen.
Die gemeinsame Vergangenheit wird von nationalen Geschichtsschreibern zwar oftmals heruntergespielt, aber die Balkanstaaten sind, wie Mark Mazower von der Columbia University hervorhebt, vom komplexen Zusammenleben christlicher, muslimischer und jüdischer Völker eindeutig geprägt. Vielleicht handelte es sich eher um ein „Nebeneinanderher-Leben“, das auf den im Osmanischen Millet-System organisierten Glaubensgemeinschaften basierte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts haben sich die religiösen Identitäten der Region dann langsam zu klaren nationalen Identitäten hin entwickelt, die Menschen sahen sich fortan als Serben, Griechen, Bulgaren und so fort. Und diese Identitäten bergen noch heute ein großes Konfliktpotenzial.
Das Bestreben der großen europäischen Mächte, sich Ressourcen und Gebiete des Osmanischen Reiches anzueignen, und die Unfähigkeit des Reiches, Reformen umzusetzen, führten zusammen mit dem aufkommenden Nationalismus zum definitiven Ende der Osmanen in Europa. Auch der mächtige Sultan Abdülhamid II., von 1876 bis 1909 an der Macht, konnte daran nichts mehr ändern – er wurde gestürzt. Und mit der nationalistischen Revolution der Jungtürken war das Osmanische Reich endgültig dem Untergang geweiht.
Anhand von seltenem Bild- und Filmmaterial sowie von Beiträgen internationaler Historiker wird in dieser zweiteiligen Dokumentation das letzte Jahrhundert des Osmanischen Reiches analysiert und versucht, sein Ende zu verstehen.
Türkei - Großmacht in der Krise
Die Türkei liegt zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer, zwischen Asien und Europa. Die westliche Lebensweise und das Erbe des Osmanischen Reiches waren hier immer auf Tuchfühlung. Als Verbündete des Westens und Mitglied der Nato steht sie zusammen mit der Europäischen Union in vorderster Front in der Syrien- und in der Flüchtlingskrise. Aufgrund ihrer strategisch wichtigen geografischen Lage und ihrer aufstrebenden Wirtschaft ist sie ein unverzichtbarer Partner des Westens, ein Schlüsselland für die Stabilität der Region. 13 Jahre schon herrscht in der Türkei der Präsident, der „Sultan” Recep Tayyip Erdogan, der nach dem niedergeschlagenen Putschversuch im Juli 2016 Staat und Gesellschaft gnadenlos „säubert” und die letzten Reste von Presse- und Meinungsfreiheit mit Füßen tritt. THEMA zeigt das Porträt eines Mannes, der die Macht einer in ihre Widersprüche verstrickten Türkei verkörpert. So widersprüchlich wie der Präsident scheint auch seine Haltung im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat, mit deren Rolle in der Türkei sich der zweite Film des Abends beschäftigt.
Doch niemand kann die heutige Türkei verstehen, ohne einen Blick in die wechselhafte Geschichte des Landes zu werfen. Die Türkei entstand aus der Asche eines riesigen Reiches, das die heiligen Stätten der drei monotheistischen Religionen beheimatete und ein in der Menschheitsgeschichte einzigartiges Gemisch von Sprachen, Kulturen und Religionen aufwies. Trotz all dieser Machtkonzentration bedurfte es nicht einmal eines Jahrhunderts, bis sich das Osmanische Weltreich aufzulösen begann. Auf seinen Trümmern zeichnet sich eine neue Türkei ab, aber was für eine?

Regie: Mathilde Damoisel\nProduzent: ARTE F\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 22.11.2016 um 22:20 Uhr auf arte.