In den Jahren nach der Wende sah es so aus, als bestünde die Gefahr, dass sich der Osten entvölkert. Von 1991 bis 2008 zogen rund zehn Prozent der Ostdeutschen in den Westen. Die vier Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben in diesem Zeitraum 1,6 Millionen Einwohner durch Abwanderung verloren. Etwa 60 Prozent der Ost-West-Migranten waren jünger als 30 Jahre. Der Abwanderungstrend ist inzwischen gestoppt. Mehr noch, die Ostdeutschen kehren wieder heim.
Zurück kommen nicht nur die, die es im Westen nicht geschafft haben, sondern auch die Erfolgreichen: 71% besitzen einen Hochschulabschluss, 12% haben promoviert. Das ging schon 2012 aus einer Studie des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig hervor.
So wie Professor Christian Schulze und seine Frau. Das Mediziner-Ehepaar ist vor 15 Jahren ausgewandert, war in den USA, hatte hervorragende Stellen an renommierten amerikanischen Universitäten. Seit einem Jahr leben und arbeiten sie in Jena. Beide sind an der Universität beschäftigt, können dort forschen und sich beruflich entfalten. Aber ganz entscheidend für die Rückkehr ist die Nähe zu ihren Eltern. Oma und Opa können nun endlich auch die beiden Enkelkinder regelmäßig sehen. "Unsere Eltern kommen langsam in ein Alter, wo es schöner und wichtiger ist, dichter bei ihnen zu sein."
Weil viele Abwanderer im Westen nicht verwurzelt sind, kommen sie zurück, sobald sich eine gute berufliche Perspektive eröffnet. Inzwischen sind gut ausgebildete und erfahrene Fachleute auch im Osten wieder gefragt.
So wie Andreas Miesel. Er ist nach 20 Jahren im bayerischen Rosenheim ins sächsische Grünhain-Beierfeld zurückgekehrt: "Als ich mit Ende 50 im Westen keinen Job mehr fand, wollte ich endlich wieder nach Hause. Hier haben wir jetzt alles, was uns im Westen gefehlt hat: Arbeit, eine schöne und vor allem günstige Wohnung und das Erzgebirge."
Nicht immer klappt das alles so reibungslos. Lars Fiehler von der IHK Dresden sieht die Diskussion um die Rückkehrerwelle differenziert. Es kommen vor allem Menschen aus zwei Altersgruppen verstärkt zurück: die jungen Leute bis 24 Jahre nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums und die Älteren ab 60. Die Mitte fehlt. Fiehler weiß, dass viele Rückkehrwillige hier keinen vergleichbaren Job wie im Westen finden. Vor allem die Bezahlung ist immer noch ein Problem.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 17.11.2016 um 02:25 Uhr auf MDR.