

Nicht erst bei heutigen Mammutprojekten wie dem Berliner Flughafen haben sich die Bauherren verrechnet, explodieren die Kosten. Schon beim Bau der Mauer für den Edersee, den Kaiser Wilhelm vor mehr als 100 Jahren aufstauen ließ, wurde später begonnen als geplant, die Fertigstellung verzögerte sich, und das Projekt wurde deutlich teurer - sehr modern also.
Er war der größte Staumauerbau Europas und einer der größten der Welt, als er 1914 fertiggestellt wurde. Das Prestigeprojekt des Kaiserreiches hat damals wie heute in das Leben vieler Menschen eingegriffen, es ist auch eine Schicksalsmauer, die da gebaut wurde. Die Menschen im Edertal verloren auf den überfluteten Flächen ihre Heimat, manch einer setzte aus Gram darüber seinem Leben ein Ende. Andere gründeten am neuen See Existenzen.
Auch wenn die gigantische Edersperrmauer 100 Jahre alt ist, sind längst nicht alle Geschichten erzählt - von Hermann Lötzerich etwa, der immer noch eine alte Linde pflegt, die als Sämling aus dem heute überfluteten Berich mitgenommen wurde: die letzte Zeugin des alten Edertals. Oder von den italienischen Gastarbeitern, die beim Mauerbau betrunken aneinandergerieten und im Streit starben. Als britische Bomben 1943 ein Loch in die Mauer sprengten, rissen die Fluten unten im Tal Menschen und Vieh in den Tod.
Für die Dokumentation "Die Schicksalsmauer am Edersee" wurden alte Quellen und Filmarchive ausgewertet. Die Ingenieurleistung von damals nötigt auch heute noch Respekt ab. Tief im Bauch des Riesen schaudern Besucher beim Gedanken daran, dass nur wenige Meter entfernt Hunderttausende von Tonnen Wasser gegen die Mauer drücken. Doch sie hält - Sperrmauerwärter Stefan Daude überwacht dies jeden Tag akribisch mit seinen Messinstrumenten.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 15.11.2016 um 20:15 Uhr auf HR.