Bereits die Wahl vor acht Jahren zum ersten schwarzen US-Präsidenten machte Obama zur historischen Figur. Was hat er erreicht? Wo scheiterte er? Und wie hat er das Land verändert? Am Ende seiner Präsidentschaft herrscht Ernüchterung. Zwar beendete er Amerikas Kriege und führte eine Krankenversicherung für alle ein. Doch dem stehen ein erstarkter Rassismus, der wirtschaftliche Abstieg der Mittelschicht und der Aufstieg der Terrormiliz IS gegenüber.
Es gibt diesen einen magischen Moment, als Superstar Beyoncé bei der Feier zur Amtseinführung für die tanzenden Obamas singt. Es war ein Moment, in dem das weltoffene, bunte, junge Amerika vor Freude weinte. Ein Moment, in dem alle Widersprüche zu verschwinden schienen. Hope und Change, diese naiven Versprechen, schienen an diesem Abend erfüllbar und waren noch nicht zu hohlen, anmaßenden Phrasen verkommen. Das Land wollte an den Traum glauben. Es hatte sich in sich selbst und in das neue Präsidentenpaar verliebt. Die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten schien Amerika mit seiner unrühmlichen Geschichte des Rassismus zu versöhnen.
Doch Träume währen nicht lange in der Politik, und Präsidenten sind auch nur Menschen. Kein Ort lehrt diese Wahrheit schneller und brutaler als das Weiße Haus. Obama lernte vom ersten Tag an, dass das Amt den Präsidenten prägt und nicht der Präsident das Amt.
Das politische Erbe der Bush-Regierung, das Obama antrat, war verheerend. Jeden Monat verlor Amerika 800 000 Jobs. Die Finanzkrise schob die Nation immer näher an den Abgrund. Außenpolitisch hatte sich Amerika in zwei Kriegen festgebissen, Irak und Afghanistan, ohne Aussicht auf Erfolg.
Der Film von Annette Brieger und Ulf Röller beschreibt das Ende der Liebesbeziehung Amerikas mit Obama und die schnell einsetzende Ernüchterung. Die Welt musste Obama dabei zusehen, wie er im Amt ergraute, aufgefressen vom täglichen Klein-Klein der Politik. Wichtige Zeitzeugen kommen in der Dokumentation zu Wort. Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister von Bill Clinton und das soziale Gewissen Amerikas im Kampf gegen Ungleichheit, würdigt Obamas Einführung einer Krankenversicherung für jeden als historisch. Aber er beschreibt auch, wie sie die Wut der Rechten befeuerte. Am Ende bescherte "Obamacare" den Republikanern 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Damit verlor Obama die Macht, weitere große innenpolitische Reformen durchzusetzen. Er setzte die Reform trotzdem durch, auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen. Diese Entscheidung verleiht Obamas Präsidentschaft Größe und Tragik zugleich.
Obamas unvollendete Präsidentschaft, dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch seine Amtszeit - auch in der Außenpolitik. Obama bekam direkt nach der Wahl den Friedensnobelpreis, wohl in der Hoffnung, er werde Kriege beenden. Aber die Welt ist durch Obama als Präsident nicht sicherer geworden. Aus dem Anti-Kriegspräsidenten, der aus dem Irak abzog, wurde der Drohnen-Präsident, der den Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates zu verhindern suchte. Die ehemalige Präsidentenberaterin Karen Dornfried gibt einen Einblick ins außenpolitische Denken der Obama-Regierung. Vor allem auch, wenn es um das Verhältnis zu Deutschland nach der NSA-Affäre geht.
Film von Annette Brieger und Ulf Röller
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 14.11.2016 um 18:00 Uhr auf Phoenix.