Wie verabschiedet man sich morgens von seiner Familie, wenn jeder Arbeitstag tödlich enden kann? Wie gehen die Angehörigen damit um? Wie stark bestimmt diese Gefahr Arbeits- und Privatleben? Es gibt Berufe, die sind lebensgefährlich, aber in unserer Gesellschaft unverzichtbar. Die Arbeit dieser Menschen und ihre Bereitschaft, sich selbst in größte Gefahr zu begeben, rettet anderen Menschen das Leben.
Tanya Beimel ist eine von zwei Bombenentschärferinnen in Deutschland. Täglich wird sie an Orte gerufen, die weiträumig abgesperrt sind, weil von Weltkriegsbomben immer noch akute Gefahren ausgehen. Ihr Arbeitsplatz liegt im Zentrum der Gefahr. 2010 ist in Göttingen eine Fliegerbombe völlig überraschend explodiert, kurz bevor mit der eigentlichen Entschärfung begonnen werden sollte. Drei Bombenentschärfer starben. Das Unglück zeigte, dass bei diesem Job das Restrisiko nie auf null reduzierbar ist. Tanya Beimel nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit zu einer Bombenentschärfung und berichtet, wie sie mit diesem extremen Druck umgeht, warum sie sich jeden Tag aufs Neue der Gefahr stellt und was dieser spezielle Beruf mit ihr macht.
Andreas Wolf begibt sich leidenschaftlich gerne selbst an Orte, die lebensgefährlich sein können: Höhlen. Als Höhlenforscher ist er Spezialist in diesem unwegsamen Terrain. „Für mich sind das oft unentdeckte Landschaften, die wunderschön sind", so Wolf. Doch immer mehr Laien wagen sich in die Höhlen. „Unvorbereitet endet ein Höhlenbesuch schnell in einem Notfall. Die Dunkelheit lässt keine Orientierung zu und Handys funktionieren im Gestein nicht. Hier ist es kalt, eng und nass. Und um Hilfe zu schreien, ist so gut wie zwecklos", berichtet Wolf. In diesen Situationen wird Andreas Wolf um Hilfe gerufen. Als Leiter der Höhlenrettung Murnau (Bayern) ist er für einige stark frequentierte Höhlen zuständig und muss zusammen mit seinem Team Vermisste oder Verletzte in der Höhle aufspüren, medizinisch versorgen und bergen. Hierbei wagt er sich auch in für ihn unbekannte Gänge. Dann herrscht auch für den sonst so gut vorbereiteten Experten Lebensgefahr. Für seine Familie keine einfache Berufswahl. „Aber irgendwer muss es ja machen", so Wolfs Ehefrau. Wie geht der Familienvater mit dieser Gefahr um, wie erklärt er seinem Sohn das Risiko seines Berufes und was macht es mit einer Familie, wenn der schlimmste anzunehmende Umstand, der Tod, bei der Arbeit als Höhlenretter nicht wegzudiskutieren ist?
Auch ein Bodyguard gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Zu seinen Kunden gehören Promis und wirtschaftsstarke Großverdiener. „Die stellen mich alle an, weil es ein gewisses Risiko gibt, dass sie Opfer eines Verbrechens werden. Mein Job ist es, das zu verhindern. Unmittelbar, mit meinem Körper", erklärt der Leibwächter. Woher kommt die Bereitschaft, das eigene Leben für Fremde aufs Spiel zu setzen?
Die "Deutschland-Reportage" begleitet Tanya Beimel bei ihrer Arbeit an einer Bombe, Andreas Wolf in die Höhle und einen Leibwächter bei einem Einsatz und zeigt, welche Gedanken die Arbeitseinsätze begleiten, wenn Unglücke nicht auszuschließen sind. Die "Deutschland-Reportage" zeigt die gefährlichen und aufregenden Seiten ihrer Tätigkeiten, aber auch die Auswirkungen auf das Privatleben. Denn hinter diesen Helden stecken ganz normale Menschen, die ihren Beruf auch hinterfragen und vor sich und ihrer Familie rechtfertigen. Auch ihre Angehörigen kommen zu Wort, die mit dem Berufsrisiko ihrer Partner jeden Tag leben müssen. Der Film lotet aus, wo der Unterschied zwischen Beruf und Berufung liegt. In Berufsfeldern, die von keinem Computer und keiner Maschine übernommen werden können.
Film von János Kereszti
* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"
"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 05.11.2016 um 19:30 Uhr auf tagesschau24.