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Chefinnen - Frauen in Weltkonzernen

"Menschen hautnah" - ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"
Donnerstag, 03.11.2016 21:00 Uhr
ARD alpha
Donnerstag
03.11.2016
21:00 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Angelika Gifford, 47, ist Topmanagerin bei Microsoft und im Aufsichtsrat von TUI. "Ich hätte diese Karriere in einem deutschen Unternehmen so nicht machen können. Von uns wird viel verlangt, die Zahlen müssen stimmen, aber US-Unternehmen ist es egal, ob sie einen Rock oder eine Hose tragen." Angelika Gifford ist viel unterwegs, zuständig für den Mittleren Osten, Afrika und Europa, sie sitzt 50 % ihrer Arbeitszeit im Flieger, auf Flughäfen, im Auto oder im Zug. "Mein 8-jähriger Sohn fragt nur noch: welche Airline und wann bist du wieder zurück, Mama. Er kennt es nicht anders."
Jumana Al-Sibai, 41, Mutter von zwei kleinen Kindern wurde gerade befördert. Sie ist Leiterin für Marketing und Vertrieb beim deutschen Traditionsunternehmen Bosch. "In meiner Position werde ich immer wieder gefragt, ob ich einen Termin für Herrn Al-Sibai machen könnte. Mittlerweile lache ich darüber. Da muss man drüber stehen." Ihre Strategien in der männerdominierten Firma: "Als Frau hat man andere Möglichkeiten, ein flotter Spruch in einer Männerrunde und schon ist die Stimmung aufgelockert."
Beide Topmanagerinnen haben Kinder, beide machen Karriere, beide haben Partner, die sie darin unterstützen. "Ich delegiere gern, auch zuhause. Jeder soll das machen, was er am besten kann", beschreibt Angelika Gifford die private Organisation. Ihr amerikanischer Mann Patrick war früher selbst bei Microsoft, heute ist er Freiberufler, kann sich auch um Sohn Kevin kümmern. Angelika Gifford hatte vor der Einschulung ihres Sohnes ein Jahr Auszeit genommen. "Das war vielleicht ein Karriereknick, aber ich wollte das. Jeder, der mir erzählt, Kinder und Karriere seien kein Problem, der macht sich was vor."
"Man wächst mit den Aufgaben. Wir wollten immer beides: Kinder und Karriere." Peter Delhey ist ebenfalls Manager bei Bosch. Er und seine Frau Jumana Al-Sibai sitzen jeden Abend zusammen und planen gemeinsam den kommenden Tag. "Ohne die Großeltern und die Kinderfrau wäre es schwierig. Wenn ein Kind krank wird, müssen wir umdisponieren." Jumana Al-Sibai sieht in der Kombination Familie und Erfolg im Beruf keinen Widerspruch.
"Ich bin für eine Quote für einen bestimmten Zeitraum. Sehen Sie sich das Ergebnis der freiwilligen Selbstverpflichtung nach den vergangenen zehn Jahren an. Es ist nicht viel passiert." Angelika Gifford kann sich noch gut daran erinnern, als sie ihr erstes großes europäisches Projekt hatte. "Mein Chef hat mich dem durchweg männlichen, europäisch besetzten Team vorgestellt. Die wollten nicht Mal mit mir reden. Ich habe dann gesagt, wer nicht mitmacht, der kann jetzt gehen. Alle sind geblieben und am Ende waren die Herren überrascht, dass ich mehr wusste über ihre Zahlen als sie."
Jumana Al-Sibai sieht das anders. "Für mich ist die Quote keine Alternative. Wir müssen das durch Bildung und frühzeitiges Heranführen an Technik schaffen. Ich möchte keine Quotenfrau sein, das empfinde ich als hinderlich." Jumana Al-Sibai ist sich sicher, dass es auch ohne Quote für sie im Konzern weitergehen wird. Heute berichtet sie bereits direkt an die Geschäftsführung. "Der Konzern hat mich immer unterstützt. Da mache ich mir keine Gedanken", sagt sie zuversichtlich und macht sich auf den Weg zur IAA. Am Bosch-Stand dann wird sie später als Frau fast allein unter Männern sein.

* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"

"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 03.11.2016 um 21:00 Uhr auf ARD alpha.