Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sieht es vergleichsweise gut aus, die Erwerbstätigenzahlen steigen. Doch eine Gruppe hat nichts von dem positiven Trend, im Gegenteil: Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als eine Million Langzeitarbeitslose, also fast 40 Prozent aller Arbeitslosen. Ihre Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren trotz besserer Gesamtlage kaum verändert. Im letzten Jahr ist sie sogar noch leicht angestiegen. Vor allem Ältere oder gering qualifizierte Personen finden so gut wie nie eine (neue) sichere Beschäftigung, von der man einigermaßen leben kann. Langzeitarbeitslose haben nicht nur mit persönlichen Problemen und Vorurteilen zu kämpfen, sondern auch damit, dass viele Fördermaßnahmen zurückgefahren wurden oder ohnehin nur kurzfristige Jobs ohne Lebensperspektive brachten. Nicht einmal jeder fünfte Langzeitarbeitslose hat in den letzten Jahren einen neuen bezahlten Arbeitsplatz gefunden.
Bei den über 55-Jährigen sind fast 50 Prozent der Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Job. Viele werden nie wieder eine Chance bekommen, selbst wenn sie besser ausgebildet sind als Jüngere. Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Auch im Saarland nicht, wo die Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten Jahren wie festbetoniert bei rund 14.000 liegt. Nachdem vor kurzem auch noch die Bürgerarbeit abgeschafft wurde, die im Saarland besonders stark genutzt wurde, ist die Situation für Langzeitarbeitslose noch aussichtsloser geworden.
Früher gab es viele einfache Arbeiten, die einen schnellen Einstieg ermöglichten und oft sogar erstaunliche Aufstiegschancen boten. Seitdem hat die Spezialisierung ständig zugenommen. Die Aufgaben wurden anspruchsvoller, die ganze Arbeitswelt hat sich immer weiter ausdifferenziert. Deshalb verrät eine Durchschnittszahl wie die Arbeitslosenquote heute weniger über die Chancen des Einzelnen als je zuvor. Experten und Sozialverbände wissen schon lange: Ohne einen dauerhaften Dritten Arbeitsmarkt werden diese Personen bis zum Lebensende abgehängt bleiben.
Lars Ohlinger hat sich mit seinem Kamerateam auf den Weg gemacht, um die Schattenseiten des Arbeitsmarkts auszuleuchten und mit Menschen zu sprechen, die selten zu Wort kommen, weil sie von Politik und Medien allzu häufig übersehen werden.
* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"
"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 03.11.2016 um 21:00 Uhr auf SR.