"Ich will, dass meine Mitarbeiter glücklich sind", sagt Hotelier Bodo Janssen. "Wenn die Mitarbeiter keinen Spaß an der Arbeit haben, kann es keinen Unternehmenserfolg geben", ist Gunther Olesch, Geschäftsführer bei Phoenix Contact überzeugt. Zwei völlig unterschiedliche Unternehmen: eine Hotelkette im Dienstleistungssektor und ein High-Tech-Unternehmen, weltweit mit innovativen Produkten unterwegs. Beide Unternehmen haben Umbrüche überstanden und in ihren Krisenzeiten gelernt. "Wir wurden früher ständig gegängelt und unterdrückt", erinnert sich eine Mitarbeiterin der Hotelkette. Doch dann steuerte Eigentümer Bodo Janssen radikal um. Jetzt werden die Mitarbeiter dazu ermuntert, selbst Ideen im Hotelalltag einzubringen. Was könnte man im Spa, im Restaurant verbessern? In gemeinsamen Treffen sitzen Putzkräfte neben dem Hoteldirektor, der Lehrling neben dem Küchenchef und tüfteln gemeinsam.
"Wenn wir im Unternehmen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen haben, dass die Mitarbeiter ihre Talente einbringen, dass sie tun können, was ihnen Freude bereitet, dann wirkt sich das auch auf den Umsatz, den Erfolg des Unternehmens aus", sagt Hotelier Janssen. So auch im Hightech-Unternehmen Phoenix Contact, Geschäftsführer Olesch ist sich sicher: "Die Treppe muss von oben gefegt werden". Das Umdenken muss in der Chefetage beginnen. Nur so könne man das Vertrauen der Mitarbeiter in die Unternehmensführung gewinnen. Bei Phoenix Contact verzichtete auch das Management in der Krise auf Gehalt. Dass sich Manager Boni genehmigten, dass Druck auf Mitarbeiter ausgeübt werde, wie bei VW, sei bei ihnen undenkbar. "Die Kultur bei uns gibt allen Mitarbeitern die Möglichkeit, ganz klar gegenüber ihren Vorgesetzten zu sagen: Das tue ich nicht. So geht's nicht, und das mache ich nicht mit", sagt Ingenieur Dr. Wetter. Und eine Mitarbeiterin an der Werkbank bestätigt: "Wenn mir was missfällt, dann mach' ich's auch deutlich, und ich hab' dann auch keine Angst, das zu äußern."
Ein Unternehmensalltag ohne Druck und Angst und ohne innere Kündigung? Der Mensch mal nicht als Kostenfaktor und Einsparpotenzial, sondern als wichtiger Garant des Unternehmenserfolgs? Das Ganze hört sich ungewohnt an und ist es auch. Für manche Arbeitgeber wäre es eine Revolution.
Aber was heißt das für den Unternehmensalltag, wenn ein Unternehmer sagt: "Wirtschaftlichkeit und Gewinn ist die Basis unserer Existenz, nicht der Sinn unseres Handelns. Der Sinn ist, den Menschen zu dienen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie sich in ihrer Arbeit glücklich machen können, dass sie selbst dazu finden, was sie glücklicher macht."
Dieser Effekt wird inzwischen auch wissenschaftlich untermauert: "glückliche Menschen arbeiten besser", wie der Hirnforscher und Experte für Unternehmenskultur Gerald Hüther immer wieder betont. Dadurch stelle sich für das Gesamte im Unternehmen ein Mehrwert auf der menschlichen wie auf der wirtschaftlichen Ebene ein.
Die Dokumentation geht auf Spurensuche: Wie sieht diese so andere Unternehmenskultur aus? Welches Umdenken, welche Haltung erfordert das? Wie werden Krisen und Herausforderungen bewältigt? Worin besteht das Glücklichsein der Mitarbeiter, das direkte Auswirkungen auf den Erfolg hat? Und wie passen wirtschaftlicher Erfolg und der Anspruch, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, zusammen?
Film von Rita Knobel-Ulrich
* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"
"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 02.11.2016 um 20:15 Uhr auf SR.