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Die Aufstocker - Trotz Arbeit Hartz IV

Gott und die Welt - ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“
Dienstag, 01.11.2016 21:47 Uhr
tagesschau24
Dienstag
01.11.2016
21:47 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Für Juliane M. beginnt der Tag früh am Morgen. Nachdem die alleinerziehende Mutter ihre zwei Kinder zur Schule gebracht hat, arbeitet sie als Altenpflegerin. Dennoch muss sie sich immer wieder bei der Arbeitsagentur melden, um sich ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken zu lassen. Trotzdem bleibt für die Kinder nicht viel übrig. Die Großeltern helfen finanziell sehr. So wie Juliane geht es Vielen: Etwa eine Million Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Ob jemand Hartz-IV-Aufstocker ist, ist jedoch nicht unbedingt eine Frage der Qualifikation. Oft trifft es sogar gut Ausgebildete.
Für die Aufstocker ist es nicht leicht, dass sie zum Job-Center gehen müssen, um das zu geringe Einkommen durch ergänzende Hilfe vom Staat aufzubessern. Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde hat vielen einen stattlichen Sprung nach oben gebracht. Doch die Zahl der Aufstocker sank trotzdem nur um gerade mal 50.000.
Auch Carina W. hat nur wenig von der Anhebung profitiert und kommt finanziell kaum über die Runden. Die 51-Jährige arbeitet als Roadie auf Festivals und zusätzlich als Putzfrau. Ein Auto kann sie sich nicht leisten und die letzte Woche im Monat ist besonders hart für sie. Oft hat sie kaum mehr etwas zu essen im Kühlschrank. Beim Jobcenter muss sie jeden Cent und jede noch so kleine Ausgabe genau erklären. Viele Aufstocker schämen sich für diese Situation.
Das Beratungsmobil des Berliner Arbeitslosenzentrums bemüht sich um Kontakt mit den Betroffenen. Regelmäßig fahren die Berater zu den Schlangen vor den Jobcentern. Auch im Kreis Lauenburg gibt es ein freiwilliges Beratungsprojekt, das dabei hilft, Wege aus der "Aufstocker-Falle" zu finden. Diese sind nicht leicht, denn dazu gehört auch Mut und Selbstvertrauen bei den Betroffenen.
Der Film zeigt, was es heißt, trotz harter Arbeit an der Armutsgrenze zu leben und welche Chancen und Schwierigkeiten es gibt, dort wegzukommen.
Film von Lars Ohlinger

* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"

"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 01.11.2016 um 21:47 Uhr auf tagesschau24.