* Michel Ruge, das Kiezgewächs
Als Junge wuchs Michel Ruge inmitten von St. Pauli auf. Sein Vater führte hier drei Bordelle, seine Mutter war noch sehr jung. Das Porträt über einen echten St. Pauli-Ureinwohner zeichnet eine Kindheit auf dem Kiez in den 1970er- und 1980er-Jahren nach und zeigt dabei gleichzeitig, wie stark sich das Gebiet um die Reeperbahn verändert hat.
* Junge Familien auf dem Kiez
Der Kiez ist vor allem für seine vielen Bars und Clubs, für sein Nachtleben und das Rotlichtviertel berühmt. Aber während hier nachts die Partygänger das Bild prägen, sind tagsüber ganz andere Kiezianer präsent. St. Pauli wird immer beliebter bei jungen Familien mit Kindern. "Rund um den Michel" begleitet eine Familie mit zwei Kindern zwischen Spielplatz an der Reeperbahn und Kita im St. Pauli-Stadion.
* Der Pastor vom Kiez
Seit 2002 gehört er zu St. Pauli und war für einige sogar eine "Offenbarung". Denn er hat aufgeräumt rund um seine Arbeitsstelle, packt bis heute auf dem Kiez an und lässt keinen allein, wenn es ihm nicht so gut geht: Sieghard Wilm. Er ist Pastor in der evangelisch-lutherischen St. Pauli Gemeinde. "Rund um den Michel" begleitet den Kiezpastor auf einer Tour durch seine Wunschgemeinde.
* Parallelwelt der Hotels
Über 2.600 Hotelzimmer gibt es auf St. Pauli, die pro Nacht gebucht werden können. Das Rock- 'n'-Roll-Hotel Die Kogge und das schicke Empire Riverside liegen nur einen Katzensprung entfernt voneinander, zumindest räumlich. An ihnen zeigt sich, wie vielseitig ein Stadtteil wie St. Pauli ist und auf welch vielfältige Weise man ihn erkunden kann. Im Hotel Kogge darf ab 21 Uhr geraucht werden zum Astra in der mit unzähligen Stickern und Bildchen und Postkarten beklebten Bar, die gleichzeitig auch Rezeption ist. Im Empire Riverside hingegen gibt es zwar auch eine Bar, die aber ist nicht parterre sondern up, hoch oben im 20. Stockwerk: mit Blick auf Hamburg, bunt gemixten Drinks und Dresscode. Zwei Etablissements, zwei Welten. Eine Reise durch die Hotelnacht.
* Wisch und Wow: Klofrau mit Herz(Blut)
Henryka Augustyniak ist die furchtlose Klofrau des Lokals Herzblut St. Pauli auf der Reeperbahn. Für sie ist es aber kein Sch...job. Bei der Arbeit bekommt sie Küsschen und Umarmungen, gibt schon mal Rat in Lebensfragen oder wagt selbst ein Tänzchen. Und die weniger schönen Seiten des Jobs? "Ach, alles halb so wild", lacht die 59-Jährige, und wischt die Frage einfach weg.
* Türsteher
Große Freiheit auf St. Pauli: Veuve Noire und der za(h)rte Fabian arbeiten dort, wo andere feiern. Sie sind Türsteher und Koberer. Veuve Noire sorgt als Dragqueen mit einem lockeren Spruch auf den Lippen und viel Make-up im Gesicht dafür, dass die feiernden Leute in die Olivia Jones Bar kommen. Fabian kümmert sich um die Kundinnen, die zu Olivias Wilden Jungs möchten, einer Menstrip-Bar nur für Frauen. "Rund um den Michel" hat mit beiden eine Nacht auf dem Kiez verbracht.
* Das Doppelleben der Belle la Donna
Der Kiez ist ihre Bühne: Belle La Donna ist ein bekanntes Showgirl und Star der deutschen Burlesque-Szene. Ihre Auftritte sind eine Mischung aus Akrobatik, Varieté und Feuerspielen. Tagsüber arbeitet sie auf St. Pauli als Friseurin, feilt an ihrem ersten Album und wird wegen ihres auffälligen Stils als Pin-up-Model gefeiert. Doch eigentlich bezeichnet sie sich als "Nachtschattengewächs".
* Hausmeister Peter
Was braucht man als Hausmeister auf dem Kiez unbedingt? "Das Herz am rechten Fleck und eine gute Menschenkenntnis", sagt Peter Fiedler. Seit mehr als 20 Jahren ist der Hüne mit den kurzen Haaren nun schon auf dem Kiez unterwegs. Er repariert, macht Wohnungsbesichtigungen, räumt die Wohnungen verstorbener Menschen, kommt nachts, wenn mal wieder jemand seinen Schlüssel vergessen hat, hilft wo er kann, packt überall mit an. Peter Fiedler ist für 800 Wohnungen zuständig. Da steht das Telefon kaum still. Zeit, den Elbblick aus seinem kleinen Büro zu genießen hat er jedenfalls kaum. Dafür aber hat er schon so ziemlich alles erlebt: von kleinen Alltagsschwierigkeiten wie selbstklebenden PVC-Leisten, die einfach nicht kleben wollen, bis zur dubiosen Stichflamme, die bei einem Mieter aus der Küchenzeile schoss. Und natürlich erlebt er tagtäglich den ganz besonderen Menschenschlag auf dem Kiez, der manchmal so rau anmutet, aber den Fiedler so sehr in sein Herz geschlossen hat. "Rund um den Michel" durfte den Hausmeister vom Kiez einen Tag lang bei seiner Arbeit begleiten.
* Musikszene
Franz Albers und Käpt`n Kruse, das sind zwei junge Frauen, die Seemannslieder und Shantys singen. Angefangen hat alles auf St. Pauli. Denn dort kam in einer Kneipe Wiebke Kruse und Franziska Rademacher die Idee, alten Seemannsliedern neues Leben einzuhauchen. Sie ließen sich von Hans-Albers-Filmen inspirieren und von Wiebkes Onkel, der zur See gefahren ist. Inzwischen haben sie enormen Erfolg mit dieser Band: Die beiden treten in ganz Deutschland auf, haben gerade ein erstes Musikvideo aufgenommen, planen ein eigenes Album und sind im Sommer auf mehreren großen Festivals eingeladen, unter anderem bei den renommierten Festspielen Mecklenburg-Vorpommern.
* Sexy Schokolade: Kiez-Confiserie St. Paula
Die Pralinen der Meisterkonditorin Ursula Odenwald sind nichts für prüde Menschen. Die Zuckerbäckerin macht Edelmarzipan erotisch und Schokolade sexy. "Adonis", "Busenblitzer" oder "Süße Fesseln" heißen einige der lustig-lustvollen Naschereien, die sie liebevoll von Hand in der Bernhard-Nocht-Straße fertigt. Ihre Spezialität: feinste Spitze aus Zuckerguss. Ihre Inspiration: Der Stadtteil, der sie umgibt. "Wir sind hier schließlich auf der Reeperbahn.
Produktion: Edgar Rygol\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 30.10.2016 um 18:00 Uhr auf NDR.