* Japan: Viel Arbeit, wenig Geld
Japans Wirtschaft siecht seit über zwei Jahrzehnten dahin, gute Jobs sind rar: 20 Millionen Japaner schuften deshalb ohne festen Arbeitsvertrag - wie die Roboter, oft bis zum Umfallen. Eines der zahlreichen Opfer: Kota Watanabe. Tot. Mit 24. Früh morgens prallt er mit dem Moped gegen einen Strommast – völlig erschöpft, nach einem 22-Stunden-Arbeitsexzess. Die Mutter Junko Watanabe sagt, der Wahnsinn habe schon ein halbes Jahr lang getobt, im Schnitt mehr als 100 Überstunden pro Monat - für einen Hungerlohn: "Mein Sohn wurde von Beginn an nur ausgenutzt“, sagt sie. "Die Unternehmen wissen um die Not der jungen Leute und zwingen sie zu unmenschlicher Arbeit. Dann werfen sie sie weg. Ich glaube, das hat Methode."
* Taiwan: Schon die Kleinsten müssen spuren
Kindheit in Taiwan ist nicht immer ein Vergnügen. Im Albert-Kindergarten zählen Drill und Druck, zwei Stunden Frühsport pro Tag sind Pflicht. Und danach geht’s erst richtig los. Auch für den kleinen Bo-Han. Weil der mit vier Jahren laufend Krawall macht und andere Kinder verprügelt, ruft die Mutter ihr Kriegsrecht aus. Sie durchkämmt die Millionenstadt Taichung und stößt auf den Albert-Kindergarten - der so heißt, weil hier alle Kinder mal so schlau werden sollen wie Albert Einstein. Hier führt Leiterin Fong Yun-I ein strenges Regiment: „Die Erziehung in Taiwan ist zu weich. Die meisten Eltern wollen nur, dass ihre Kinder gut essen und Aufsicht haben. Wer meinen Erziehungsstil nicht mag, der kann gern woanders hingehen.“ Basta.
* Südkorea: Grundschule für Greise
Mit 84 Jahren drückt Rentner Cho Keong-Man noch einmal in der Woche die Schulbank: Geschichte, Werken und Musik, aber auch Sport und Informatik stehen auf dem Stundenplan. "Das ist immer ein schöner Tag für mich, wenn ich diese Schuluniform anziehe“, schwärmt der ehemalige Erdbeerbauer. Südkorea hat eine traurig-hohe Selbstmordrate, besonders unter Senioren. Aktivität in Gemeinschaft ist die beste Prävention. Die Rentner-Ganztagesbetreuung im Gemeindezentrum – bald vielleicht ein Exportschlager: "Ich denke, unser Projekt ist richtungsweisend für Korea und darüber hinaus“, prophezeit Schulleiter Kim Jin-Dong. "Die Chinesen waren schon zu Besuch und kürzlich auch die Japaner. Auch in diesen Ländern ist die alternde Bevölkerung ja ein Problem. Ich glaube, wir leisten da gute Vorarbeit.“
* Philippinen: Das Slum-Venedig von Manila
In Malabon wird gepaddelt statt zu Fuß gegangen. Das Fortbewegungsmittel der Wahl sind simple Boote oder ein Floß. Denn ein Teil der Stadt, eine ehemalige Arbeitersiedlung, liegt in einer überfluteten Senke in Meeresnähe. Das Areal gehörte mal zu einer großen Textilfabrik. Doch die ging pleite. Da stoppten dann auch alle Pumpen und Drainagen. Und so füllte sich die Mulde langsam: mit Meerwasser, Grundwasser, Regenwasser. Die Menschen hier sind arm, aber zufrieden: „Es macht Spaß, auch wenn alles unter Wasser steht“, erklärt Anwohnerin Belen Belesi. "Wir sind trotzdem glücklich, denn wir haben ja unsere Familien und unsere Nachbarn. Fällt mal ein Kind ins Wasser, und die Geschwister sind nicht da, dann rettet es der Nachbar.“
* Taiwan: Milliardär präsentiert Kunst kostenlos
Der fast 90-jährige Hsu Wen-Lung sammelt westliche Kunst aus acht Jahrhunderten. In seiner Heimatstadt Tainan macht er sie den Menschen zugänglich, umsonst! Er kann es sich leisten, mit Chemie, Kunststoff und Elektronik hat er ein Vermögen gemacht. Sein Museum heißt jetzt so wie das Unternehmen, das er einst gründete. Und weil Bürger von Tainan kostenlos reinkommen, ist hier jeden Morgen rush hour. 8.000 Besucher täglich strömen ins Chimei-Museum. Als Freund der schönen Künste hat Hsu hier seinen Reibach veredelt, Millionenwerte auf 40.000 Quadratmetern: „Ich liebe westliche Kunst und Musik“, sagt er. "Wäre doch schade, wenn andere Menschen das nicht auch genießen könnten. Es ist wie mit einer wunderschönen Frau. Da möchte ich ja auch, dass andere sie sehen.“ Hereinspaziert.
* Südkorea: Das große Fressen
Mukbang - ein Phänomen. Bedeutet soviel wie: Das große Fressen vor laufender Kamera. Live übertragen im Internet. Und Millionen gucken zu, bezahlen auch noch dafür. Eine der Stars der Szene: Aebong-ee. Bloß zehn Kilo hat sie jetzt drauf in zwei Jahren – gut, dass sie sich heute zurückhält. Es gibt nur ein paar eingelegte Shrimps mit Kopf, Fleisch und Gemüse im Topf, Reis mit Ei und Mayo, Kimchi und für später ’ne kleine Erdbeertorte. Reicht auch für vier. Kann man sich nicht angucken? Oh, doch!: „Viele Frauen in Südkorea wollen schlank sein und sind immer auf Diät“, erklärt die Mitdreißigerin. "Außerdem gibt es hier viele einsame Menschen. Dann ist es doch schön, jemandem beim Essen zuzuschauen und dieses Essgefühl zu teilen. Deshalb hat Mukbang soviel Zulauf in den vergangenen Jahren.“ Was für ein Spaß.
* Japan: Korrespondenten gestern und heute
Jubiläum! Seit 50 Jahren gibt es jetzt das ARD-Studio in Tokio. Japans Hauptstadt hat sich seit den 60er-Jahren von der Flachland-Stadt zur Mega-City entwickelt. Auch die Arbeit der Korrespondenten hat sich verändert. Uwe Schwering macht den Vergleich, steigt tief ins Archiv, entdeckt wahre TV-Schätze - und stellt fest: Nichts ist mehr, wie es einmal war. Aber Moment, stimmt nicht ganz: Auch Generationen später verspeist noch jeder Korrespondent gern Tempura, panierten Fisch aus heißem Öl. Es muss nicht immer Sushi sein. Oishii, lecker!
Film von Uwe Schwering
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 08.10.2016 um 10:00 Uhr auf Phoenix.