ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Wir Reiseweltmeister - Deutschland macht Urlaub (3/3)

Vom Balaton zum Ballermann
Samstag, 08.10.2016 08:45 Uhr
Phoenix
Samstag
08.10.2016
08:45 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

In den 80er Jahren gibt es im Westen Urlaubsangebote für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel. Bei den Ostdeutschen dagegen wächst das Gefühl, eingesperrt zu sein. Für Monika Schuhmann aus Leipzig sind die meisten ausländischen Ferienziele nach ihrem Ausreiseantrag 1983 unerreichbar. Immerhin darf sie nach Ungarn an den Balaton reisen. Dort trifft sie sich mit Freunden aus dem schwäbischen Backnang und wird dabei von einem westdeutschen Fernsehteam begleitet.
Die klassischen Urlaubsgebiete der Westdeutschen geraten in den 80er Jahren in die Krise. Rimini und Mallorca sind out, Fernziele, wie die Dominikanische Republik boomen und der Reise-Unternehmer Vural Öger macht die Türkei zum begehrten Billig-Reiseland. Frank Rumpf zieht es woanders hin. Er will auch im Urlaub unterhalten werden. Der Cluburlaub macht s möglich, man muss sich um nichts kümmern, alles wird organisiert: Frühsport, gemeinsame Ausflüge, Unterhaltungsprogramm. Ähnlichkeiten zum FDGB-Urlaub jenseits der Mauer sind nicht beabsichtigt, aber unübersehbar.
Die Individualisten in Ost und West halten nichts von organisiertem Urlaub und schaffen sich ihre Nischen. Jürgen Reichmann aus Donaueschingen gehört zu den Enthusiasten, die sich gleich mehrmals auf das Abenteuer Interrail einlassen. Jan Oelker aus Radebeul bereist illegal mit der Kamera und per Anhalter die Sowjetunion, immer auf der Suche nach Abenteuern. Und der Leipziger Dietmar Mickeleit macht in der DDR das Dachzelt für den Trabi populär. Wildes Zelten ohne viel Geld ausgeben zu müssen, das verschafft der Erfindung bald eine große Fangemeinde. Das Dachzelt spielt auch später, im Film Go Trabi Go von 1991, eine wichtige Rolle. Hauptdarsteller Wolfgang Stumph erinnert sich an seine erste Italienreise, festgehalten mit der eigenen Kamera.
Mit dem Fall der Mauer wird alles anders. Die Ostdeutschen nutzen die Reisefreiheit und entdecken neue Länder. Das krisengeschüttelte Mallorca lädt 10.000 Ostdeutsche zum kostenlosen Urlaub ein. Familie Hauschild aus Dresden hat ihre Kamera dabei, als sie mit der ersten Interflug-Maschine auf der Insel landet, und filmt begeistert die bis dahin unbekannten Orangenbäume: Es war eine ganz andere Welt auf Mallorca, es war für uns wie im Märchen . Mallorca erlebt in den neunziger Jahren noch einmal einen einzigartigen und zwiespältigen Boom - als Ballermann-Insel. Für Kegelclubs, wie den Essener Club 119, bedeutet Mallorca vor allem, einmal im Jahr auf den Putz zu hauen und einen konstant hohen Alkoholpegel zu pflegen.
Nach dem Mauerfall können sich jetzt die Ost- und Westdeutschen ungehindert treffen, die sich vor dem Mauerfall am Balaton kennen gelernt haben. Auch Elisabeth Schmidt aus Westberlin fragt sich, was aus ihren ostdeutschen Balaton-Bekanntschaften wurde. Hat man sich noch etwas zu sagen? Oder war es doch nur eine flüchtige Urlaubsbekanntschaft?
Vom Balaton zum Ballermann erzählt die Geschichte des Urlaubs von den Anfängen des Club- und All-Inclusive-Urlaubs bis in die 90er Jahre. Der Film zeigt, wie sehr die DDR-Bürger die Reisefreiheit vermissten und wohin sie fuhren, als die Mauer fiel.
Ein Film von Jobst Thomas und Martin Groß

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 08.10.2016 um 08:45 Uhr auf Phoenix.