Im Hafen von Valletta auf Malta: Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert geht an Bord der "Seawatch". Mit dabei sind 15 weitere Crewmitglieder. Ihr Ziel: Flüchtlingsboote aufspüren, Menschen retten. Sie packen Proviant für 14 Tage - so lange soll die "Seawatch" vor der libyschen Küste patrouillieren. Gerhard Trabert, der sich zuhause um Obdachlose kümmert, ist als Mediziner dabei.
Er richtet sich in seiner winzigen Kabine ein und liest im Logbuch einen Eintrag der Vorgänger-Crew: "An einem einzigen Tag tausend Leute gerettet! - Aber ein Mädchen verstorben." Wird so etwas auch auf ihn zukommen? Es wäre nicht das erste Mal. Beim Auslaufen aus dem Hafen von Valetta erzählt Gerhard Trabert von seinem Einsatz auf der "Seawatch" im letzten Jahr: Sie bekamen einen Notruf, konnten aber nicht hinfahren, da sie ihre Mission wegen eines Getriebeschadens abbrechen mussten. Die Menschen sind wahrscheinlich ertrunken. Das habe ihn bis heute traumatisiert, sagt er. Der oft als "Armenarzt" bezeichnete Sozialmediziner bricht diesmal also auch auf, um sein Trauma zu überwinden.
Wenige Stunden später gibt es massive Probleme mit der Bordelektronik, das Internet ist komplett weg - und ohne die diversen elektronischen Hilfsmittel will Ingo Wert, der Einsatzleiter, nicht fahren. Gemeinsam mit Christoph, einem Informatiker, arbeiten sie bei extremem Wellengang mitten in der Nacht an einer Lösung - und entscheiden schließlich, zurück nach Malta zu fahren. Trabert wirkt resigniert. Das sieht fast nach einem Déjà-vu aus. Am Morgen dann endlich: Aufatmen. Die Technik funktioniert. Aber die nächste Unwägbarkeit lässt nicht lange auf sich warten: Gerhard Trabert wird von extremer Seekrankheit geplagt und kann kaum aufstehen. "Wie soll ich so Menschen helfen, die wir vielleicht an Bord nehmen müssen?" fragt er sich.
Zum Glück für Trabert dauert es noch einen weiteren Tag, bis sie endlich von ihrem Ausguck aus einen kleinen grauen Fleck am Horizont entdecken. Ein Flüchtlingsboot. Je näher sie kommen, umso unwirklicher wirkt es: "Wir alle haben die Bilder ja schon oft gesehen" sagt Trabert, "aber wenn man es so hautnah erlebt - unvorstellbar. So ein kleines Boot, rundherum nur Meer - hätten wir sie nicht entdeckt, wären sie vielleicht in den Tod gefahren."
SWR-Autor Thomas Diehl und sein Kamerateam haben den Mediziner bei seiner zweiwöchigen Mission auf dem Mittelmeer begleitet.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 20.10.2016 um 00:15 Uhr auf tagesschau24.