Nie wieder trieb das Kino so wilde und bunte Blüten wie auf den Leinwänden der schummrigen Säle der Bahnhofskinos. Damals als Schmuddeltempel verschrien, sind sie heute nostalgischer Kult. Die dort gezeigten Filme, einst als kinematografische "Bückware" verrufen, haben Meister-Regisseure wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez neu entdeckt.
Als die Bahn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Bahnhöfe der deutschen Großstädte wieder aufbaute, errichtete sie auch gleich eigene Kinos für wartende Reisende. Hier lief Programm als Endlosschleife, von 9 Uhr morgens bis spät in die Nacht. Über die Leinwand flimmerten zunächst Wochenschauen, Cartoons und Infos vom Boulevard, die sich an die ganze Familie richteten. Doch mit dem Siegeszug von Fernsehen und sexueller Revolution wandelte sich das Programm.
Die Bahnhofskinos zeigten nun Filme, die es anderswo nicht zu sehen gab. Filme mit hohem Schauwert, niedrigem Budget, oft in heimischer Produktion gedreht: Von der St.-Pauli-Reihe und den "Bademeister-Report" über psychedelische Roadmovies à la "Ich - Ein Groupie" bis hin zu Actionreißern wie "Blutiger Freitag", exotische Abenteuerstreifen genauso wie nicht identifizierbare Filmobjekte wie "Die Todesgöttin des Liebescamps".
Neben zahlreichen Filmausschnitten, die rückblickend einen hohen Unterhaltungswert besitzen, kommen in der Doku "Cinema Perverso - die wunderbare und kaputte Welt der Bahnhofskinos" Regisseure und Fans wie Jörg Buttgereit und Uwe Boll ebenso zu Wort wie die Schauspieler Ben Becker und Mechthild Großmann, der Musiker Wolfgang Niedecken, Schlagerstar Christian Anders und Box-Legende René Weller.
Ein Film von Oliver Schwehm
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 19.10.2016 um 21:30 Uhr auf ONE.