Einst geteilt. Heute vereint? Diese Frage stellt die NDR Dokumentation in der Reihe "nordstory Spezial", die sich mit Schwierigkeiten und Chancen einer Identitätsbildung in einem vereinigten Land auseinandersetzt. So ein Jubel, so viele Küsse, so viele Tränen. Selten gab es bei den als eher unterkühlt geltenden Deutschen derartige Gefühlsausbrüche wie in der Nacht des Mauerfalls: Tausende drängen von Ost nach West über die Grenze. Endlose Trabbi-Schlangen schieben sich durch die geöffneten Schranken. Beifall auf der West-Seite.
* Resignation und Wut
Glückseligkeit im Osten. Mit Feuerwerk und Festreden wird ein Jahr später die Vereinigung der beiden Deutschlands zelebriert. Aber dann: Viele ehemalige DDR-Bürger fremdeln damit, jetzt für einen eigenen Lebensentwurf selbst initiativ zu werden. Als tausende ihre Arbeit verlieren, weil die Riesenbetriebe der DDR dicht machen, kommt die Resignation. Und die Wut.
* Zweigeteilte Erinnerungen
Die Erinnerung der Deutschen an die eigene Geschichte seit 1945 ist zweigeteilt. Westdeutsche blicken zurück auf ein parlamentarisches System, mit Pressefreiheit, Politik- und Umweltskandalen, Wirtschaftsflauten, Entlassungswellen - aber auch der 1968er-Revolte und Emanzipationsbewegungen. Das Einüben der Demokratie dauert bis heute an. Ostdeutsche erinnern eine Geschichte als Akteure in einem autoritären System. Mit all der Enge, den Herrschaftsstrukturen und Einschüchterungen, die eine totalitäre Staatsform mit sich bringt. Eine unangenehme Geschichte, die viele in ihrer eigenen Biografie nur ungern wahrhaben wollen, die Scham und Unterlegenheitsgefühle hervorruft.
* 25 Jahre nach der Wiedervereinigung
Die NDR Dokumentation 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist auf der Suche nach einer gesamtdeutschen Identität. Ost- und Westdeutsche unterschiedlichen Alters schildern ihre Gefühle. Denker, Visionäre und Künstler kommen zu Wort, wenden sich ganz ausdrücklich an künftige Generationen. Mit dabei sind ein ehemaliger DDR-Grenzsoldat, der Intendant des hannoverschen Schauspielhauses Lars Ole Walburg, die Puhdys, ein Harzranger, der Sozialpsychologe Harald Welzer, Paare, die eine Ost-West-Liebe leben, Roland Jahn - der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, und, und, und. Setzt 25 Jahre nach der Wiedervereinigung das Vergessen von DDR, Teilung und Grenze ein - oder kann die Aufarbeitung vielleicht jetzt erst richtig beginnen?
Produktion: Thomas Kay\nAutor: Hanna Legatis\nRedaktionelle Leitung: Marlis Fertmann\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 02.10.2016 um 13:45 Uhr auf NDR.