Im 17. Jahrhundert wuchs Holland zur dominierenden Wirtschaftsmacht Europas heran. Die winzigen Niederlande wickeln damals nicht weniger als 70 Prozent des gesamten Welthandels ab und werden zu einer der führenden Kolonialmächte Europas.
Dabei hatten sie sich erst kurze Zeit zuvor selbst aus den Fesseln der Großmacht Spanien befreit und als Union von Utrecht die erste Republik auf europäischem Boden gegründet. Der modernen politischen Verfassung entsprach auch der unternehmerische Geist seiner Bürger. 1602 gründen Kaufleute die Vereinigte Ostindien-Kompanie, abgekürzt VOC, als erste Aktiengesellschaft der Welt. Ziel der Unternehmung war der Ausbau des lukrativen Gewürzhandels mit der Inselwelt des heutigen Indonesien.
Dort wuchs damals das Gold buchstäblich auf den Bäumen. Denn keine Ware erzielte auf den Märkten Europas höhere Gewinnspannen als Gewürze wie Pfeffer, Muskat oder Nelken. Die exotischen Gaumenkitzler avancierten im 17. Jahrhundert zum Statussymbol der feinen Gesellschaft und wurden exzessiv verbraucht. Die Nachfrage war so hoch, dass die Preise ins Unermessliche stiegen. Eine Muskatnuss war zeitweise mehr wert als ihr Gewicht in Gold.
Die VOC investierte gewaltige Summen in das lukrative Geschäft. In ihrer 200-jährigen Geschichte schickte sie knapp 5000 Schiffe und mehr als eine Million Menschen auf den Weg.
In rascher Folge besetzen niederländische Kapitäne Stützpunkte in Ostasien. Um die Gewürzinseln, das heutige Indonesien entbrennt ein erbitterter Krieg mit den Briten, den die kleinen Niederlande sogar für sich entscheiden. 1667 tauschen die Niederländer ihren amerikanischen Stützpunkt Neu-Amsterdam gegen die britisch kontrollierten Gewürzinseln in Indonesien und gewinnen so endgültig das Monopol im Gewürzhandel.
Doch die Tage der VOC sind gezählt. Schlechtes Management und zu hohe Kriegskosten treiben die einst größte Firma der Welt in den Konkurs. Der niederländische Staat tritt an ihre Stelle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besitzen die Niederländer das drittgrößte Kolonialreich der Welt. Sein Untergang wird durch die japanische Besetzung im Zweiten Weltkrieg besiegelt. Obwohl die Japaner kapitulieren müssen, haben sie doch den Nimbus der Europäer zerstört und die indonesische Unabhängigkeitsbewegung gestärkt. 1949 entlassen die Niederländer ihre Kolonie in die Unabhängigkeit.
Nichts veränderte das Gesicht der Welt mehr als das Ausgreifen der Europäer nach Übersee. Mit geradezu lächerlich geringem Aufwand erobern England, Spanien, Portugal und Holland ab dem 15. Jahrhundert immense Territorien, ja sogar ganze Kontinente und drücken ihnen damit bis auf den heutigen Tag ihren Stempel auf. Die Geschichte des Kolonialismus ist eine Geschichte über wagemutige Seeleute, über verwegene Abenteurer auf der Suche nach Ruhm und Reichtum, über gigantische Handelsimperien, aber auch eine Geschichte von brutaler Ausbeutung, Ausrottung oder Versklavung ganzer Völker.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 16.09.2016 um 06:45 Uhr auf Phoenix.