Am 1. Oktober 1946, endete im Justizpalast von Nürnberg eines der spektakulärsten Gerichtsverfahren der Geschichte mit elf Todesurteilen, sieben Zeitstrafen und drei Freisprüchen. Keine siegreiche Nation und kein Bündnis hatte je etwas so Kühnes und Kompliziertes gewagt, wie die Alliierten es mit den Nazi-Führern seit November 1945 taten: Sie machten ihnen den Prozess. Was damals von vielen als 'Siegerjustiz' abgelehnt wurde, ist heute ein Meilenstein der Rechtsgeschichte.
Nachdem Hitler, Goebbels und Himmler bei Kriegsende Selbstmord begangen hatten, wurde Hermann Göring als wichtigster überlebender Repräsentant des Dritten Reiches in Nürnberg angeklagt. Als einer der engsten Weggefährten des Diktators war er ebenso populär wie gefürchtet. Als Luftwaffenchef und Reichsmarschall galt er bis kurz vor dem Untergang offiziell als Nachfolger des 'Führers'. In Nürnberg war Göring entschlossen, den Gerichtssaal als Bühne zu nutzen, um den Deutschen seine Legende zu hinterlassen.
'Görings letzte Schlacht' erzählt die Geschichte von Hitlers zweitem Mann als Duell Görings mit dem amerikanischen Chefankläger Robert Jackson, und der hatte eine Vision: die Neuordnung der Welt nach den Grundsätzen des Rechts. Es wurde ein spektakuläres Ringen von Gut und Böse, schließlich ein spektakulärer Sieg der Zivilisation über Unrecht und Barbarei. Autor Michael Kloft hat für diesen Film die letzten Zeitzeugen befragt, in der ganzen Welt seltenes, teilweise unveröffentlichtes Archivmaterial zusammengetragen und Originalschauplätze besucht.
Deutschland im Mai 1945. In der Nähe von Augsburg präsentiert sich ein jovialer Hermann Göring der Kamera. Mit Hitler sei er seit geraumer Zeit verkracht gewesen, verteidigt sich der Reichsmarschall vor den Journalisten. Wenn ihm bekannt gewesen wäre, was in den Konzentrationslagern vor sich ging, hätte er protestiert, hätte er durchgegriffen. Noch ist der einstmals zweite Mann im Dritten Reich der festen Überzeugung, dass die Sieger Deutschland ohne seine Mitwirkung nicht regieren können. Was er nicht weiß: In Washington hat zur gleichen Zeit ein Team von amerikanischen Spitzenanwälten die beispiellose Aufgabe übernommen, binnen kürzester Frist ein internationales Militärtribunal zu organisieren, das mit rechtsstaatlichen Mitteln die überlebenden Naziführer als Staatsverbrecher verurteilen soll.
Der amerikanische Chefankläger Robert H. Jackson wollte sicherstellen, dass aus dem Prozess kein 'high grade lynching' würde, wie einige Kollegen am Obersten Gerichtshof befürchteten. Jackson hat ein fast unlösbares Problem: Wie sollten die Naziführer nach Recht und Gesetz verurteilt werden können, wenn das im Dritten Reich nichts galt? Gab es zudem nicht ein allgemeines Verbot, rückwirkend Rechtsgrundsätze anzuwenden? Keine Frage, die Nazis hatten nie da gewesene Verbrechen begangen. Doch wie sollte es möglich sein, auch diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, an deren Händen kein Blut klebte? In Washington wurde die Idee geboren, das Naziregime sei nichts anderes als eine von langer Hand geplante, skrupellos ausgeführte Verschwörung mit dem Ziel, andere Länder zu überfallen und auszuplündern, ihre Bewohner erst zu versklaven und dann zu ermorden. Jacksons Mitarbeiter begannen also damit, die Geschichte der Nazibewegung und ihrer Anführer zu erforschen, allen voran das Leben des wichtigsten Angeklagten: Hermann Göring.
Zweiteiliger Film von Michael Kloft
Die zweite Folge läuft am 1. Oktober um 20.15 Uhr.
Aus der Themenreihe (2015) "Vor 70 Jahren: Urteile im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess"
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 26.09.2016 um 17:15 Uhr auf ARD alpha.