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Versenkt und Vergessen

Atommüll vor Europas Küsten - Thema: Kernkraft - Eine strahlende Zukunft?
Dienstag, 20.09.2016 22:05 Uhr
arte
Dienstag
20.09.2016
22:05 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Heute sind die mehr als 100.000 Tonnen radioaktiver Abfälle, die auf dem Meeresgrund vor Europa liegen, längst vergessen. Früher wurden die Versenkungsgebiete regelmäßig untersucht und Meeresboden, Wasser und Fische auf Radioaktivität kontrolliert. Tatsächlich fanden Forscher dabei Radionuklide, die darauf hindeuten, dass Fässer leckgeschlagen sind. In Fischen wurden Spuren von Plutonium gefunden. Doch dann stellten die Regierungen die Untersuchungen in der Umgebung der sogenannten Dumping Grounds einfach ein. Welche Gefahren gehen heute von diesen Fässern aus?
Die Filmemacher Thomas Reutter und Manfred Ladwig haben sich mit einem Schiff, Spezialausrüstung und Unterwasserkameras auf die Suche nach den versenkten Atommüllfässern gemacht. Ein aussichtsloses Unternehmen, glaubte Greenpeace, denn die exakte Position der versunkenen Fässer ist unbekannt. Doch Harald Zindler, einer der Aktivisten, die damals im Schlauchboot gegen die Verklappungen kämpften, geht schließlich mit an Bord. Von der britischen Kanalinsel Alderney aus bricht das Team auf, den versunkenen Atommüll im Ärmelkanal zu finden.
Archivaufnahmen und Dokumente zeigen, wie sorglos und unverantwortlich bei der "Entsorgung" zu See mit Atommüll umgegangen wurde. Heute wäre sie illegal und kriminell. Wer war damals für diese Versenkungen verantwortlich? Die Filmemacher sprechen mit Zeitzeugen, verantwortlichen Politikern und Greenpeace-Aktivisten von damals. Sie zeigen aber auch, welche Schäden die radioaktiven Altlasten bei Menschen und in der Umwelt mittlerweile angerichtet haben. Sie befragen Wissenschaftler in ihren Laboren, nehmen selbst Proben und lassen diese analysieren.
Seit 1995 ist es zwar weltweit verboten, Atommüll von Schiffen aus ins Meer zu werfen. Es ist aber immer noch erlaubt, radioaktives Abwasser von Land aus ins Meer einzuleiten. Und genau das geschieht jeden Tag. Wiederaufarbeitungsanlagen pumpen flüssigen Atommüll in die Irische See und in den Ärmelkanal. Und auch die Langzeitfolgen der atomaren Meeresverschmutzung sind weitgehend unbekannt. Dass es darüber kaum Informationen gibt, ist kein Zufall: Die wahre Faktenlage wird geleugnet, heruntergespielt oder verheimlicht. Die Verantwortlichen beschönigen seit Jahren das wahre Ausmaß der Gefahren, die von dem versenkten und vergessenen Atomendlager im Meer ausgehen.
Themenabend: Kernkraft - Eine strahlende Zukunft?
THEMA nimmt die Kernkraft ins Visier - von deren Entstehung bis heute. Strom aus Kernkraftwerken gilt als günstig, klima-freundlich, unabhängig von Wetterschwankungen und als die sauberste Methode der Stromerzeugung. Wäre da nicht die Frage nach einem Endlager für den radioaktiven Atommüll. Auch Störfälle, wie 2011 in Fukushima, erinnern an die weitere Gefahr der Kernenergie: den möglichen Super-GAU. Atomkraft, nein danke? Ja bitte? Die Gesellschaft ist gespalten. THEMA widmet diesen Abend der Atomkraft und deren Geschichte, Gefahren und Chancen.
Thorium-Flüssigsalzreaktor: Nie gehört? Kein Wunder, seit 70 Jahren wird die Technologie von der Nuklearindustrie totge-schwiegen. Dabei könnte Thorium - kaum Atommüll, kaum Risiko - die Energieproduktion komplett revolutionieren. THEMA durchleuchtet, warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war, und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll.
Danach zeigt der Filmmacher Manfred Ladwig in "Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten" - den rücksichtslosen Umgang vieler Industrienationen mit den radioaktiven Abfällen, die ihr Endlager im Atlantik fanden. Doch mit welchen Folgen für das maritime Biosystem?
Zuletzt beschäftigt sich "Das Gebet" mit der Kernschmelze von Tschernobyl 1986. Der Film wirft einen Blick auf das Schicksal der Einsatzkräfte vor Ort und der Bevölkerung, die ungeschützt der radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren.

Regie: Thomas Reutter, Manfred Ladwig\nProduzent: SWR\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 20.09.2016 um 22:05 Uhr auf arte.