ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Der Absolutismus (1/3)

Die Stände im barocken Bayern
Dienstag, 20.09.2016 14:00 Uhr
ARD alpha
Dienstag
20.09.2016
14:00 Uhr
Teilen:

Der bekannte Buch-Autor, Journalist und Historiker Rudolf Reiser hat es sich zur Aufgabe gemacht Zeugnisse dieser Zeit zu sammeln, sei es in Form von Illustrationen oder Schriften. Er zeichnet ein Bild dieser Zeit, das mehrheitlich von der Landbevölkerung und den Bauern bestimmt war, als von der hauchdünnen Oberschicht des Adels, die völlig separiert von den durchschnittlichen Menschen lebte und feierte.
Da es in dieser rigiden Stände-Gesellschaft, die durch die Geburt und die Familie entschieden wurde, kaum Berührungspunkte gab, war es auch äußerst mühsam diese Schranken zu durchbrechen. Am ehesten schafften dies Menschen durch eine Ausbildung im Kloster und einer kirchlichen Karriere, oder als Künstler und Baumeister im Auftrag des Adels. Die herausragende Stellung dieser adeligen Schicht, die über Leben und Tod der einfachen Leute entscheiden konnte, wurde durch missverstandene, religiöse Interpretationen als "Gott gegeben" und als direkt "von Gott bevollmächtigt" begründet.
Während im Mittelalter noch klare Rechte und Pflichten von Herren und Untertanen zum gegenseitigen Wohle festgelegt waren, war der Absolutismus gerade in Bayern häufig durch eine Art Willkürherrschaft und Terror gegenüber den Untergebenen gekennzeichnet. So spottete der aufgeklärte Preußenkönig Friedrich II. häufig über diese, seiner Meinung nach völlig verzerrte Form des bayerischen Katholizismus.
Wer heute vom typisch bayerischen "barocken Lebensgefühl" spricht, weiß meist nicht, dass das Leben im Barock für den Großteil der damaligen Bevölkerung von früh morgens bis abends von harter, entbehrungsreicher körperlicher Arbeit ohne Maschinen bestimmt war, und von horrenden Steuern und Abgaben, die zu entrichten waren. Dass heute kaum mehr Bauernhäuser aus dieser Zeit erhalten sind, hat den einfachen Grund, daß die meisten Landwirte in Höhlen und Hütten mit ihrem Vieh hausten, und trotz ihrer harten Arbeit für den Grundherren oft kaum das notwendigste zum Überleben besaßen. So waren Kerzen Luxus, Ärzte und Schulen gab es kaum auf dem Land.
Die meisten Menschen waren Analphabeten, die -obwohl offiziell katholisch- an Geister und Dämonen glaubten, und häufig nur an einer Blutvergiftung oder einer Blinddarmentzündung starben. Denn es gab keinerlei medizinische Versorgung, wie wir sie heute kennen. Da die Bauern aber im Gegensatz zum Adel mehr auf körperliche Hygiene achteten, sich also häufiger mit Wasser wuschen, erreichten sie manchmal sogar das gleiche Alter ihrer Herren, die ständig von Ungeziefer am Körper gepiesackt wurden.
Weil es gerade den Bauern bei Todesstrafe verboten war das sogenannte "Hochwild" zu jagen, wurde so mancher zum Wilderer, um nicht zu verhungern, wie z.B. Matthias Klostermayr, der als der "Bayerische Hiasl" zum Volkshelden avancierte, obwohl er anfangs nur Vögel gejagt hatte, um satt zu werden.
In den Städten des Barock, gab es für viele zu Beginn der Epoche zunächst neue Chancen auf Arbeit und gesellschaftlichen Aufstieg: Tüchtige Handwerker und Kaufleute verwirklichten zunächst den mittelalterlichen Spruch "Stadtluft macht frei". Doch die entstehende Oberschicht reicher Patrizier versuchte dem Adel nachzueifern und begann die Kaufleute und Zünfte mit immer mehr Abgaben, Steuern und Vorschriften zu drangsalieren. Durch diese Bürokratisierung verloren die vormals stolzen freien Städte am Ende der Epoche häufig sogar ihre Selbstständigkeit.
Die heute schönen Schlösser und Kirchen verdanken wir aber eigentlich der ständigen Zwangsarbeit der bayerischen Bauern bei den sogenannten "Scharwerksdiensten". Sie mussten oft sogar während der Erntezeit für ihren Herren zur Baustelle kommen und dort unentgeltlich arbeiten.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 20.09.2016 um 14:00 Uhr auf ARD alpha.

Livestream
Details
Alternative Ausstrahlungstermine
21.09.2016 06:30ARD alpha20.09.2016 14:00ARD alpha