Zwei Menschen, zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der eine vernichtete, der andere rettete Leben. Vom Älteren weiß man viel, er erlangte zweifelhaften Ruhm. Der andere hätte Ruhm verdient, aber er bleibt ihm bis heute verwehrt. Deshalb weiß man über ihn nur wenig.
Der ältere Bruder heißt Hermann Göring. Kein anderer Nationalsozialist war Adolf Hitler so nah, kein anderer Nazipotentat vereinte so viele Ämter auf sich, kein anderer stellte seinen zusammengeraubten Reichtum so schamlos zur Schau.
Der kleine Bruder heißt Albert Göring. Er rettete zahllose Menschen vor der Todesmaschinerie der Nazis, Juden wie Nichtjuden.
Hermann Göring ist der Böse, eine üble Koryphäe der NS–Zeit. Albert Göring ist der Gute, ein Held der Menschlichkeit in Zeiten der Barbarei. Doch Hermann und Albert Göring bleiben einander loyal verbunden und treffen sich im Kreis der Familie. Für wenige Stunden klammern sie Politik und Ideologie aus. Bis zum Schluss, trotz aller Unterschiede, stehen sich die Brüder sehr nah. Der Ältere schützt den Jüngeren vor Verhaftung und Tod.
Das Dokumentarspiel konzentriert sich auf das Verhältnis der beiden zueinander.
In fünf Akten werden Begegnungen der beiden Männer aufgeblättert, die sie an unterschiedlichen Stationen ihres Lebensweges zeigen. Die Zeit verändert sie. So trifft am Anfang ein gefallener Pilot und Fliegerheld ohne Perspektive auf einen Ingenieur mit Zukunft, Jahre später ein prunksüchtiger Nazifürst auf einen Heimatlosen. Ein Mörder auf einen Retter. Ein Entmachteter auf einen Machtverächter. Und bei ihrer letzten Begegnung in einem alliierten Gefängnis ein Verlierer auf einen ... Verlierer. Am Ende sind beide Geschlagene. Der eine entzieht sich der Todesstrafe durch Selbstmord. Der andere stirbt in der Nachkriegsrepublik, verarmt und vergessen.
Statement des Produzenten Matthias Martens: "Im Unterschied zu unserem Porträt über Otto Weidt muss der Film über die Görings ohne Zeitzeugen auskommen, die die Ereignisse aus erster Hand schildern könnten: Sie leben allesamt nicht mehr. Zu Wort kommen daher Angehörige der Menschen, die Albert Göring gerettet hat, sowie seine Tochter und Stieftochter.
Während naturgemäß viel Archivmaterial über Hermann Göring existiert, gibt es praktisch keine bewegten Bilder mit dem jüngeren Bruder. Verbürgte Ereignisse sind daher nachgestellt worden – der Spielanteil liegt bei rund 70 Minuten.
Für das Drehbuch waren zwei Autoren zuständig: Gerhard Spörl deckte den historischen Teil ab, Jörg Brückner war für die Spielszenen zuständig. Regie führte wie schon bei 'Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt' Kai Christiansen. Er bringt einen journalistischen Blick mit, den man in diesem speziellen Genre auch braucht. Bei derart komplexen Geschichten genügt es nicht, wenn ein Regisseur inszenatorische Fähigkeiten hat, weil auch der historische Hintergrund sehr wichtig ist. Darüber hinaus bin ich sehr froh, dass es gelungen ist, einen derartig hochkarätigen Cast zu gewinnen und ihn mit unserer Begeisterung für den Stoff anzustecken."
Hermann Göring: Francis Fulton-Smith\nAlbert Göring: Barnaby Metschurat\nHenny Porten: Natalia Wörner\nEmmy Göring: Anna Schudt\nOlga Rigele: Anna von Berg\nPaula Hüber: Lena Münchow\nDrehbuch: Gerhard Spörl und Jörg Brückner\nRegie: Kai Christiansen\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 21.09.2016 um 00:00 Uhr auf NDR.