In Kuba ist man sehr stolz auf das Bildungssystem, neben dem Gesundheitswesen eine der größten Errungenschaft der Revolution. Die Kubaner sind innovativ und einfallsreich, jeder hat die Chance auf eine akademische Ausbildung. Aber in der Realität sieht es oft anders aus: Wer beispielsweise einen staatlichen Job in der Forschung anstrebt, sollte sich auf schlechte Bezahlung und viel Arbeit einstellen.
Will man etwas erreichen, muss man Idealismus und Ideen mitbringen. Fernando besucht die Biochemikerin Hilda in ihrem eigenen Labor in Havanna, wo sie ökologische Schönheitsprodukte auf Algenbasis herstellt und verkauft. Ihr Mann Ivan holt die Algen in der Schweinebucht und nimmt Fernando gleich mit auf einen Tauchgang.
Fernandos Schwester Susanna hingegen hat eine ganz andere Karriere gemacht: Als Schauspielerin ist sie zum Telenovela-Star geworden und spielt aktuell schon eine Rolle in ihrer dritten Serie. Trotzdem muss sie nebenbei in einer Bar kellnern, in der nur Filmleute arbeiten.
Aber in Kuba glaubt man fest an die Zukunft. Wie etwa der junge Geschäftsmann Yondainer, der Fernando seine Gastronomie-App "A La Mesa" präsentiert - eine revolutionäre Idee in einem Land, das in weiten Teilen immer noch "offline" ist.
Kuba im Aufbruch. Die "karibische DDR" ist schon lange ein beliebtes Reiseziel, obwohl Armut und Probleme an jeder Ecke unübersehbar sind. Jetzt steht das Land mit der bewegten Geschichte erneut vor einer Herausforderung: Die Öffnung zum Westen birgt gleichermaßen Chancen und Gefahren. Der kubanische Schauspieler Fernando Spengler nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch sein Heimatland. Die Doku-Reihe zeigt, wie es den Kubanern in dieser Zeit des Umbruchs geht - und wie die Künstler, Arbeiter, Wissenschaftler, Gastronomen, Sportler und Innovatoren in die Zukunft blicken.
Im zweiten Teil gibt Fernando einen Einblick in den kubanischen Alltag und die dortige Arbeitswelt.
+ Thementag: Viva Cuba!
Kuba befindet sich mitten im Umbruch, und Barack Obamas Besuch im März steht symbolisch für die tiefgreifende gesell-schaftliche und politische Entwicklung, die viele Kubaner vor Ort und im Exil schon seit vielen Jahren erträumten. Unter dem Motto "Viva Cuba!" lädt ARTE einen Tag lang ein zur Reise durch die kubanischen Lebenswelten, mit Dokumentationen, Konzerten, Reportagen und zwei Filmen.
Schätzungsweise fünf Prozent aller Haushalte Kubas haben Zugang zum Internet, es werden immer mehr, vor allem in Havanna und Umgebung. Von außen scheint in der Stadt aber noch immer die Zeit stehen geblieben zu sein, besonders in der Altstadt, der Habana Vieja, deren barocke und neoklassizistischen Fassaden bereits 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Auf dem Land werden die Werte der Revolution von 1959 immer noch hochgehalten.
ARTE taucht in den kubanischen Alltag, mit kubanischen Fotografen und Videokünstlern - wie Liudmila Velasco und Nelson Ramírez de Arellano Conde - und folgt den Spuren des Erneuerers des kubanischen Kriminalromans, Leonardo Padura Fuentes. "Abgedreht!" nimmt Fidel Castros Rendezvous mit einer französischen Präsidentengattin aufs Korn. Und was wäre Kuba ohne Musik und Tanz? Auf dem Programm des ARTE-Kuba-Tages: Die Truppe Danza Contemporánea de Cuba, der Singer-Songwriter Raúl Paz, die Cuban Beats All Stars und viele andere mehr!
Die Filme: Nach seinem Welterfolg "Jenseits von Afrika" erzählt Sydney Pollack 1990 mit "Havanna" die Geschichte des Profi-Pokerspielers Jack Weil, der sich in die Ehefrau eines Anführers der Revolution verliebt. Jack Weil wird von Robert Redford verkörpert, seine Partnerin ist die Schwedin Lena Olin, eine Entdeckung Ingmar Bergmans. Für die Filmmusik wurde Dave Grusin 1991 mit einem Oscar ausgezeichnet.
"Soy Cuba" ("Ich bin Kuba") von 1964 spielt zur Zeit des Batista-Regimes. Der russische Regisseur Michail Kalatosow prangert den Luxus und die Verkommenheit der herrschenden Klasse an, allesamt Yankees. Der Film wurde sowohl in der UdSSR als auch in Kuba scharf kritisiert, in den USA war er während des Kalten Krieges verboten. "Soy Cuba" ist ein Meilenstein der sowjetischen Filmkunst und besticht durch seine langsame und sehr subjektive Kameraführung. Dank Martin Scorsese und Francis Ford Coppola, zweier großen Bewunderer, fand der Film schließlich sein Publikum und wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2004 präsentiert.
Regie: Hasko Baumann\nProduzent: ZDF\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 18.09.2016 um 15:05 Uhr auf arte.