Im Frühjahr 1943, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, verlässt Zarah Leander plötzlich ihre Villa in Berlin-Dahlem, lässt Millionen ergebener Fans im Stich und kehrt in ihre schwedische Heimat zurück. Zu den Gründen ihrer plötzlichen Abreise hat sie sich nie eindeutig geäußert. Dafür entstehen zur selben Zeit Gerüchte um die Schauspielerin und Sängerin, die ihren Mythos bis heute bestimmen: Nazi-Diva, unpolitische Schauspielerin oder Spionin im Dienst der Sowjetunion.
Zarah Leander gilt als der größte weibliche Filmstar des Dritten Reiches. Sie war die höchstbezahlte Film-Diva, die je bei der UFA unter Vertrag stand. Von 1937 bis 1942 drehte sie in nur sechs Jahren zehn Filme in Nazi-Deutschland. Ihr Markenzeichen war und ist ihre ungewöhnlich tiefe Stimme, die Männer und Frauen gleichsam verwirrte. Ihre Platten verkauften sich millionenfach. Ihre Lieder gehören noch heute zur musikalischen DNA der Deutschen.
Die Dokumentation zeigt eine Frau, die in ihrer Ambivalenz vielen bis heute ein Rätsel geblieben ist. Sie zeichnet das Bild einer schillernden Person aus einer finsteren Zeit, die vor allem eines war: Projektionsfläche der Sehnsüchte und Ängste der Menschen im 20. Jahrhundert. Und es stellt sich Frage, ob man diese Künstlerin bewundern darf, obwohl sie das Idol der Nazi-Zeit war.
Entlang ihrer Biografie und Wirkungsgeschichte bis hin zu den verschiedenen Spionagegerüchten zeichnet die Dokumentation ein komplexes und widersprüchliches Bild von Zarah Leander. Was ist Mythos? Was Wirklichkeit? Dieser Mythos wandelt sich immer weiter: Heute wird die ehemalige Primadonna, die am Ende ihrer Karriere auf Butterfahrten singt, als queere Diva von der schwul-lesbischen Szene geliebt. Was sich nie verändert ist, wie außergewöhnlich Zarah Leander die Menschen polarisiert. Bis heute wird sie genauso intensiv verachtet, wie sie verehrt wird.
Kunstvolle Animationen von Ali Soozandeh ("The Green Wave") illustrieren die geheimnisvolle Welt der Gerüchte und widersprüchlichen Geschichten. Und teilweise bis dato unveröffentlichtes Archivmaterial aus Schweden und Deutschland zeigt Zarah Leander bei ihren Auftritten in den 60er und 70er Jahren.
Dokumentation Deutschland 2013
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 18.09.2016 um 08:05 Uhr auf HR.