Die heute 82-jährige Ulla Kraft traute ihren Augen nicht, als sie kürzlich ein Schreiben des Kirchlichen Suchdienstes Stuttgart in den Händen hielt. Man habe ihren jüngeren Bruder Helmut gefunden, las sie. Ulla Kraft hatte ihn vor 60 Jahren in den Kriegswirren verloren. Seither lebte er unter anderem Namen in Polen. Einer von unzähligen Fällen, den der Kirchliche Suchdienst Stuttgart in den vergangenen Jahren lösen konnte.
Der kirchliche Dienst begann 1945 Menschen bei der Suche nach vermissten Angehörigen, Freunden und Kameraden zu helfen. Die Kirchen waren Anlaufstellen für verzweifelte Menschen. Stuttgart wurde zum Standort der Einrichtung, da im Gebiet des späteren Baden-Württembergs viele Flüchtlinge aus dem Osten ankamen. Noch immer ist das Schicksal von mehr als 60.000 Menschen aus den ehemaligen Vertreibungsgebieten ungeklärt.
Gerade die Enkel und Urenkel suchen nach ihren Wurzeln, während die traumatisierte Kriegsgeneration eher schweigt. Die Folgen des Kriegs prägen auch heute noch die junge Generation, nach dem Fall der Mauer treffen verstärkt Anfragen ein. Ergreifende Schicksale stecken hinter Millionen von Karteikarten und heutigen Datensätzen.
Autor: Tamara Spitzing\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 18.09.2016 um 05:45 Uhr auf SR.