Filmautorin Jutta Neupert fragt nach, wie Frieden geschaffen werden kann. Geantwortet haben ihr unter anderen Friedrich Schorlemmer, der 1983 auf dem Kirchentag in Wittenberg Schwerter zu Pflugscharen umschmieden ließ, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, der die UN in der Pflicht sieht und der Pazifist und Liedermacher Konstantin Wecker, der zusammen mit Margot Käßmann gerade das Buch "Entrüstet euch" herausgegeben hat.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat den Krieg in Syrien hautnah erlebt, ebenso wie die 17-jährige Jesidin Narcis. Sie kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Militärseelsorger Jens Hauschild war zweimal in Afghanistan und erzählt, wie der Einsatz im Kriegsgebiet ihn verändert hat. Pfarrer Klaus Rettig spricht darüber, wie er in den 1980er-Jahren Kriegsdienstverweigerern bei ihren Verfahren half, und Harald Hellstern, wie er als Panzerfahrer bei der Bundeswehr lernte, das Verteidigungssystem der Bundesrepublik infrage zu stellen und sich bei Pax Christi zu engagieren. Menschen, die den Krieg erlebten, Menschen, die sich dem Pazifismus verschrieben haben und Menschen, die im Angesicht der Kriegsgewalt innerlich zerrissen sind, geben bemerkenswerte Denkanstöße.
Vor 100 Jahren segneten Kirchenmänner die Waffen des Kaiserreichs, vor 75 Jahren die des NS-Staats. Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach über 60 Millionen Kriegstoten verkündete der Ökumenische Rat der Kirchen in Genf "Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein". Auf die Gegner der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik in den 1950er-Jahren blickten Kirchenleitungen immer noch keineswegs wohlwollend. In den 1980er-Jahren engagierten sich Christinnen und Christen zuhauf in der Friedensbewegung: Während des Evangelischen Kirchentags 1981 zogen 120.000 Menschen durch Hamburg unter der Parole "Fürchtet Euch! Der Atomtod bedroht uns alle" - und in der ehemaligen DDR erschütterten derweil Friedensgebete die SED-Diktatur. Im Jahr 2000 löste sich die katholische Kirche von der "Lehre vom gerechten Krieg" und 2007 verlautbarte die evangelische Kirche in Deutschland, gerecht könne nur der Frieden sein. Kriege wurden und werden rund um den Globus geführt, zurzeit in aller Grausamkeit im Nahen Osten und in der Ukraine. Krieg bedeutet immer: Menschen leben in Todesangst, sie müssen fliehen, leiden Hunger, werden gefoltert, vergewaltigt und verlieren ihre Lebensgrundlage. Wie aber Frieden schaffen? Noch mehr Waffen liefern, um die vermeintlich "Guten" zu unterstützen, die womöglich so gut gar nicht sind? Oder nicht müde werden, von Politikerinnen und Politikern Friedensverhandlungen einzufordern, humanitäre Hilfe für Kriegsopfer aufzubauen und zu unterstützen?
Autor: Jutta Neupert\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 11.09.2016 um 13:15 Uhr auf ARD alpha.