Zwei religiöse Feste haben die Muslima Naima, die Christin Friederike und der jüdische Gitarrist Alon schon miteinander gefeiert: Fastenbrechen und Sankt Martin.
Nun nähert sich das Jahr seinem Ende und das jüdische Lichterfest Chanukka steht vor der Tür. Diesmal wird Alon der Gastgeber sein. Chanukka liegt nicht nur terminlich kurz vor Weihnachten. Es setzt, genau wie das christliche Winterfest, in dunkler Jahreszeit mit Kerzenlicht ein Zeichen der Hoffnung. Alon's Chanukkafeier beginnt mit Kerzenzünden und einem Gottesdienst in der Esslinger Synagoge und vereint schließlich ein Dutzend Menschen aus drei Religionen fröhlich am Esstisch.
Alon's Einzimmerapartment ist zu klein für ein großes Fest mit Freunden. Mit dem Esslinger Komponisten Georg Wötzer und dessen Ehefrau Brigitte verbindet Alon seit vielen Jahren die Liebe zur jüdischen Musik und Kultur und eine tiefe Freundschaft. Darum bietet das christliche Ehepaar Wötzer Alon an, sein Chanukkafest in ihrem Haus zu feiern. Da auch der streng gläubige Esslinger Rabbiner Yehuda Pushkin zum Festessen kommen soll, muss die Küche koscher gemacht, also den jüdischen Speisevorschriften gemäß "gereinigt" werden.
Die Ehre der schwäbischen Hausfrau Brigitte Wötzer wird auf eine harte Probe gestellt. Naima hilft ihr, Herd und Küche zu schrubben. Der Rabbiner Yehuda Puskhin taucht Töpfe, Besteck und Küchengeräte in siedend heißes Wasser. Die Pfanne, in der Schweineschnitzel gebraten wurden, darauf besteht Pushkin, muss erneuert werden, wenn darin die zu Chanukka traditionellen jüdischen Gerichte gebacken werden sollen. Überraschenderweise stehen zwei alte Bekannte auf Alons Speisezettel: Latkes alias Kartoffelpuffer und Sufganiot, also Berliner.
Den Wein fürs Fest kaufen Alon und Naima am Tag darauf im Laden der Stuttgarter Synagoge. Die noch fehlende koschere Marmelade für die Berliner finden sie überraschenderweise in einem türkischen Supermarkt. "Kosher und halal", rein nach jüdischer und muslimischer Speisevorschrift, steht auf dem Etikett. Die überraschend fortschrittliche Lebensmittelindustrie nimmt Alon als gutes Zeichen. Vielleicht ist es um die Verständigung zwischen den Religionen besser bestellt als er geglaubt hat?
Für eine perfekte "Einladung" fehlt jetzt nur noch das Paket mit dem neunarmigen Leuchter von Alons Großmutter aus Israel sowie die passende Musik. Um Naima und Friederike zu überraschen, hat Alon auch sein jüdisch-sephardisches Ensemble "Asamblea Mediterranea" eingeladen. Sie haben ein typisches Chanukka-Lied aus seiner Kindheit einstudiert: "Nerli" - meine kleine Kerze. Acht Kerzen an acht Tagen werden zu Chanukka entzündet. Damit feiern die Juden das so genannte "Ölwunder". Laut historischer Überlieferung sorgte ein kleines Ölkrüglein, im von den Hellenen zerstörten Tempel, acht Tage lang für Licht, bis neues reines Öl hergestellt worden war.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 07.09.2016 um 12:30 Uhr auf EinsPlus.