Die Bloggerin Lina Ben Mhenni ist als "A Tunesian Girl" zum bekanntesten tunesischen Mädchen geworden. Während der Revolution war Lina das Sprachrohr der Opposition und oft bedroht. Es war vor allem das junge Tunesien, das den verhassten Diktator Ben Ali aus dem Land trieb und damit den Arabischen Frühling auslöste. Fünf Jahre nach der Revolution zieht Filmautorin Natalie Steger Bilanz. Ihre Reise führt nach Sidi Bouzid. Dorthin, wo sich der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi aus Protest verbrannte. Er war von der Polizei drangsaliert worden, weil er kein Schmiergeld zahlen wollte.
Über soziale Netzwerke gingen die Bilder um die Welt, es war der Beginn der Revolution. Hayat, Jamel und Walid aus Sidi Bouzid waren bei den Protesten dabei, damals voller Hoffnung, heute frustriert. "Es hat sich nichts verändert", sagt Jamel. "Das einzig neue ist, dass man heute offen seine Meinung sagen kann." Die drei jungen Männer sind gut ausgebildet und arbeitslos, wie 35 Prozent der jungen Akademiker in Tunesien. Die jungen Menschen in dem Land hatten auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage unter der Diktatur protestiert.
2015 war das Jahr des Terrors, mit mehreren Anschlägen, die vor allem auf Touristen zielten, um Tunesien das Rückgrat seiner Wirtschaft zu brechen. Das einstige Urlaubsparadies Sousse hat sich in eine Geisterstadt verwandelt. Die Hälfte der Hotels musste schließen, für die wenigen Touristen gelten hohe Sicherheitsmaßnahmen.
Film von Natalie Steger
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 22.08.2016 um 07:15 Uhr auf Phoenix.