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Alles koscher in Berlin?

Der Dokumödie zweiter Teil
Sonntag, 28.08.2016 08:15 Uhr
SWR
Sonntag
28.08.2016
08:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Einen "Club der einsamen Herzen" nannte vor vier Jahren die Dokumödie "Alles koscher im Café" das jüdische Café Bleibergs in Berlin. Unter den Fittichen von Manuela Ramona Gabriela Chaia Ruth Hoffmann-Bleiberg und ihrem Mann Michael trafen sich alle möglichen tragikomischen Gestalten: die mongolische Köchin Ugi, der fromme Boris, der gar kein Jude war, Chaim, Manuelas Cousin mit dem preisgekrönten Kaiser-Wilhelm Bart, Georg, der jüdische Gigolo im weißen Anzug, und Jossif, der beste Klezmermusiker von Berlin.
"Was ist aus denen geworden?", fragten immer wieder Zuschauer und Festivalbesucher, die sich nicht satt sehen konnten an der bunten Truppe. Das Filmteam packte die Kamera aus und ging der Sache auf den Grund.
Manuela und Ugi halten nach wie vor das Café am Laufen, auch wenn Manuela immer mal wieder die Nerven durchgehen, sie über "irgendwelche negativen Strahlungen" flucht und den Laden am liebsten dicht machen würde. Doch Ugi nimmt die Temperamentsausbrüche ihrer Chefin mit buddhistischer Gelassenheit.
Der fromme Nichtjude Boris hat es geschafft. Er ist zum Judentum übergetreten; "alles andere als einfach", wie er gern erzählt. Boris nennt sich jetzt "Baruch Zion". Das ist Hebräisch und heißt so viel wie "Gesegnet seist Du, Jerusalem". Sein Plan: nach Israel auswandern. Schon jetzt fährt er einmal im Jahr für ein paar Wochen als Freiwilliger im Sanitätskorps der israelischen Armee. Dort sortiert er in Uniform mit 30 anderen, von denen die meisten amerikanische Rentner sind, abgelaufene Medikamente aus.
Gigolo Georg ist, wie er behauptet, solide geworden. Georgs letzte Leidenschaft: "Freude bei anderen verbreiten". Ohne dass es jemand weiß, kauft er Getränke für die Synagogengemeinde und stellt sie vor die Tür, denn "anonyme Wohltäter machen doppelte Punkte beim lieben Gott". Wenn ihm die Philanthropie zu langweilig wird, gibt er im weißen Anzug in Berliner Szenekneipen seine Bob-Dylan-Imitationen zum Besten.
Klezmermusiker Jossif spielt nicht nur im Café, sondern überall mit seiner Combo - wenn es sein muss, sogar am Shabbat, dem heiligen Ruhetag. Und das auch noch in einer Kirche! Ist das koscher? "Wohl kaum", meint Jossif, "aber ich freu mich, wenn Nicht-Juden hören die jüdische Musik."
Und Manuelas Cousin Chaim? Der hat mit Frau und Sohn ein israelisch-orientalisches Cateringunternehmen aufgemacht - sehr zum Ärger von Manuela, die hier Konkurrenz wittert, obwohl Chaims Kundschaft nicht die von Manuela ist. Chaims Houmus und Falafel entsprechen nämlich nicht den strengen jüdischen Speiseregeln.
In Berlin ist eben doch nicht alles koscher.
Aus der Reihe "Menschen unter uns"

Autor: Uri Schneider\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 28.08.2016 um 08:15 Uhr auf SWR.

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