Das Wort Ruhestand kennt Pfarrer Ludger Kemming nicht, auch wenn der 90-Jährige seit Jahren offiziell Rentner ist. 1962 übernahm er die Sankt Pankratius Gemeinde in Hamersleben, einem Dorf in der Magdeburger Börde. Damals war Hamersleben eine Hochburg der Katholiken. Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, polnische Arbeitsimmigranten, die schon Ende des 19. Jahrhunderts kamen, sorgten für ein lebendiges Gemeindeleben.
Doch Ludger Kemming erlebte nach dem Bau der Mauer eine neue Flüchtlingswelle, diesmal Richtung Westen. Unverzagt setzte Ludger Kemming sich jedoch für die Sanierung der Stiftskirche in Hamersleben ein, die zu einem 900-jährigen Augustinerkloster gehört. Beherzt bot er mit eigenen Freizeitangeboten der staatlichen Erziehung zum Atheismus eine Alternative.
Als sich nach dem Fall der Mauern kein neuer Pfarrer für das schrumpfende Dorf findet, bleibt Ludger Kemming einfach in "Amt und Würden". Er hilft, das weitläufige Kirchen- und Klostergelände in Ordnung zu halten. Stolz führt er jedes Jahr hunderte von Besuchern durch seine renovierte Kirche, die Kennern als eine Perle der Romantik gilt. Und jeden Sonntag leitet Ludger Kemming den Gottesdienst in Hamersleben. Wie seit 54 Jahren.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 27.08.2016 um 18:45 Uhr auf MDR.