Clemens-August Schulze Zurmussen ist 14 Jahre alt, als er sein Zimmer für Ferienkinder räumen muss. Der Jungbauer aus dem Münsterland ist einverstanden, denn er weiß im Jahre 1963, dass es um die Existenz des Hofes geht. Mitten in der Krise der Landwirtschaft eröffnen seine Eltern den ersten Ponyhof in Nordrhein-Westfalen, und zwar nach dem Vorbild der "Immenhof"-Filme. Das Konzept funktioniert bis heute.
Urlaub in der Eifel, im Münster- oder im Sauerland - nach den Kriegsjahren und den Kräfte zehrenden Wirtschaftswunderjahren locken grüne Wiesen, Wälder und dazu Wurst und Fleisch direkt aus dem Stall zum Urlaub gleich um die Ecke. In den 50er und 60er Jahren rüsten viele Landwirte ihre Höfe zu Ferienpensionen um. Die Gäste kommen meist aus dem Ruhrgebiet. Durch die Urlauber kommen auch die erhofften zusätzlichen Einnahmen. Schnell entwickeln sich völlig neue Einkommensstrukturen. Der Schweinezüchter wird zum Ponyhofbesitzer, der Rübenbauer zum Hotelier. Werbung ist nicht nötig, der Reiz und der Charme von "Ferien auf dem Bauernhof" spricht sich schnell herum.
Christel Bohlmeier aus Bochum ist 1959 eine der ersten Gäste auf dem Forellenhof in Ostwestfalen. Es gibt es nur kaltes Wasser und zur Toilette muss man auf den Flur. "Früher beschäftigte man sich miteinander", erzählt sie, "die Gäste halfen mit. Heute wollen die meisten beschäftigt werden". Seither hat sich einiges verändert auf den Bauernhöfen, aber eines ist geblieben: Für viele Menschen aus den Großstädten des Rheinlandes und des Ruhrgebiets ist Urlaub auf dem Bauernhof nach wie vor die perfekte Erholung.
Eine Dokumentation über den Tourismus auf dem Land mit zahlreichen, zum Teil noch unveröffentlichten Archiv-Aufnahmen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 21.08.2016 um 12:15 Uhr auf WDR.