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Die Deutschen aus Russland

Leben in zwei Welten
Mittwoch, 17.08.2016 10:30 Uhr
tagesschau24
Mittwoch
17.08.2016
10:30 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

"Davai, Vitali", ruft einer. "Los, Vitali!" Beim Verein Atlantik 97 aus Neuallermöhe in Hamburg sprechen sie Russisch auf dem Fußballplatz. Sie alle sind Russlanddeutsche, kamen in den 1990er-Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion. Vereinsgründer Alexander Gaal wollte vor fast 20 Jahren mit dem Fußball die jungen Spätaussiedler von der Straße holen. "Sie kamen mit der neuen Freiheit nicht zurecht", sagt der 59-Jährige., der 1995 aus Kasachstan nach Deutschland kam. "Ich musste Disziplin reinkriegen." Früher hatte sein Verein einen schlechten Ruf, es gab Prügelleien auf dem Platz. Aber das hat sich gelegt.
Viele Jahre war es in Deutschland still geworden um die etwa 2,5 Millionen Russlanddeutschen hierzulande, deren Vorfahren als Handwerker und Bauern ins russische Zarenreich gegangen waren. Aber Ende Januar machten tausende von ihnen sich bemerkbar, gingen in ganz Deutschland auf die Straße. Es ging um den Fall Lisa. Das russische Staatsfernsehen hatte berichtet, die 13-jährige Russlanddeutsche aus Berlin sei von Flüchtlingen vergewaltigt worden. Die deutschen Behörden hätten das vertuschen wollen, so der Vorwurf. Dabei hatte Lisa gelogen, wie die Polizei später ermittelte. Sie war bei einem Freund untergetaucht. Der Fall Lisa brachte die Russlanddeutschen zurück ins Licht der Öffentlichkeit.
Was sind das für Menschen, diese Deutschen aus Russland, von denen viele offenbar den Behörden misstrauen? Die NDR Reportage geht auf Spurensuche: In Neuerallermöhe, der Heimat des Aussiedlervereins Atlantik 97, wo viele Russlanddeutsche wohnen. Wir lernen den Atlantik-Gründer Alexander Gaal kennen, der sich immer noch fremd fühlt in Deutschland. Einer seiner Schützlinge ist Vitali Rommel. Der junge Mann kam als Kind nach Deutschland und zu Atlantik. Er fühlt sich nicht als Russe, nicht als Deutscher, sondern als Mensch, sagt Vitali Rommel. Er wolle sich nicht einordnen. Und wir treffen den politischen Aktivisten Alexander Semjonow, einen Russen aus dem sowjetischen Estland, der in Hamburg lebt. Er hat die Lisa-Demo in Hamburg organisiert und will mit seinem Verein das Russlandbild in Deutschland verbessern. Er glaubt die Russlanddeutschen zu verstehen, glaubt zu wissen was sie umtreibt. Die NDR Reportage taucht in eine russischsprachige Welt ein, mitten in Hamburg.

Produktion: Michael Schinschke\nAutor: Mareike Aden, Jürgen Kreller\nRedaktionelle Leitung: Kuno Haberbusch\nRegie: Mareike Aden, Jürgen Kreller\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 17.08.2016 um 10:30 Uhr auf tagesschau24.