Rund um das Frische Haff, das westlich/südwestlich von Kaliningrad liegt, scheinen die Uhren langsamer zu gehen als anderswo. Ein Filmteam hat im Mai 2010 wunderschöne Impressionen eines melancholischen Landes eingefangen. Entstanden sind dabei aber auch Porträts von Menschen, deren Familien aus vielen Teilen Polens und der Ukraine hierher kamen, nachdem die Deutschen als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges ihre angestammte Heimat verlassen mussten.
Die filmische Frühlingsreise bewegt sich zwischen den Traumstränden der Frischen Nehrung und dem altehrwürdigen Städtchen Frombork (Frauenburg) mit seinem berühmten Dom, zwischen Sztutowo, dem früheren berüchtigten KZ Stutthof, den Kormoran-Kolonien von Katy Rybackie und dem liebenswerten Örtchen Kadyny (Kadinen), in dem sich einst der letzte Deutsche Kaiser eine Sommerresidenz errichten ließ.
Hier leben tatkräftige Menschen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, zum Beispiel der Bernsteinfischer von der Nehrung. Er stellt dem "Gold der Ostsee" bei Wind und Wetter nach. Oder eine junge Frau, die mit viel Idealismus einen Reiterhof betreibt. Aber auch die Männer vom polnischen Grenzschutz: Sie sichern an der Grenze zu Russland gleichzeitig die Außengrenze der Europäischen Union. Im Sommer patrouillieren sie in pfeilschnellen Booten auf dem Haff, im Winter sind sie mit einem Luftkissenfahrzeug Hovercraft unterwegs.
Ein Amateur-Historiker weiß viel über das Frische Haff im Kriegswinter 1945 zu erzählen, als sich hier ergreifende Szenen abspielten. Damals waren Tausende Deutsche auf dem zugefrorenen Haff auf der Flucht vor der Roten Armee. Wie viele Menschen damals umkamen, darüber lässt sich nur spekulieren.
Frombork, das frühere Frauenburg, ist eng mit Nikolaus Kopernikus verbunden, der hier wirkte. Nach seinem Tod 1543 wurde der berühmte Astronom im Frauenburger Dom begraben. Jahrhundertelang war die genaue Lage der Grabstätte nicht bekannt. Eine DNA-Untersuchung im Jahre 2008 brachte die Gewissheit: Bei den einige Jahre zuvor gefundenen Gebeinen handelt es sich tatsächlich um die des Kopernikus. Im Mai 2010 wurden die Überreste mit großem Pomp zum zweiten Mal im Dom von Frombork zu Grabe getragen.
Produktion: Eva-Maria Wittke\nAutor: Wolfgang Wegner\nRegie: Wolfgang Wegner\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 16.08.2016 um 15:15 Uhr auf NDR.