ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Gene ohne Grenzen?

China erobert die DNA-Forschung
Dienstag, 16.08.2016 06:40 Uhr
arte
Dienstag
16.08.2016
06:40 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Im BGI, dem Beijing Genomics Institute mit Hauptsitz im chinesischen Shenzhen, befassen sich die Forscher mit extrem ehrgeizigen Projekten. So leitet der selbst hochbegabte Zhao Bowen mit Anfang 20 ein DNA-Sequenzierungsprogramm mit den Daten von über 2.000 Personen mit einem IQ von mindestens 160. Ziel ist es, den genetischen Ursprung ihrer Intelligenz herauszufinden und es Eltern in Zukunft zu ermöglichen, das beste neurogenetische Erbgut für ihre Kinder auszuwählen. Ist dies der Beginn einer von perfektionierten Menschen bevölkerten "schönen neuen Welt"?
Im BGI Ark Biotechnology werden in großem Stil Tiere geklont, insbesondere mit dem Ziel, möglichst kostengünstig besseres Fleisch zu produzieren. Hier arbeitet die 25-jährige Genetikerin Lin Lin mit Leidenschaft und fühlt sich als "Mutter" der Ferkel, die unter ihrem Mikroskop "geboren werden".
Das Klonen von Menschen ist in China wie überall auf der Welt verboten. Und doch sind kulturelle Unterschiede spürbar. Wer im christlichen Kulturkreis aufgewachsen ist, würde geklonte Ferkel vor laufender Kamera bestimmt nicht als "unter meinem Mikroskop erschaffene Lebewesen" bezeichnen. In Europa und Amerika ist die Vorstellung, "Leben zu erschaffen" und somit den Platz von Gott einzunehmen, nach wie vor höchst umstritten - auch bei Nichtgläubigen.
Genforscher aller westlichen Institute arbeiten mit dem BGI in Shenzhen zusammen. In Interviews mit Genetikern, Bioinformatikern und Psychologen werden Überzeugung und Ehrgeiz der Forscher deutlich. Sie wollen die bislang unzugänglichen Informationen in den Zellen entschlüsseln und das Geheimnis des Lebens lüften.
Zugleich aber haben sie in ihrem eigenen Leben mit Gefühlen zu kämpfen, die sich kaum in Formeln pressen lassen: Liebe, Einsamkeit, der Wunsch nach einer Familie. Hier prallen zwei Lebensauffassungen aufeinander. Ist das Leben eine sauber codierte Information oder ein zusammengewürfeltes Chaos aus Gefühlen und kulturellen Einflüssen? Der Dokumentarfilm erzählt von Supercomputern, DNA-Sequenzen und Klonlabors, aber auch von chinesischen Familien, von einer Marktwirtschaft unter Kontrolle eines autoritären Staates und von blutjungen Forschern.
Der Dokumentarfilm gewann 2013 den Großen Preis beim Festival Film & Science Amsterdam, das in Zusammenarbeit von Institut Français, Nederlandse FilmAcademie, EYE Film Institute, Réseau Franco-Néerlandais und National Center for Scientific Research organisiert wird.

Regie: Bregtje van der Haak\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 16.08.2016 um 06:40 Uhr auf arte.

Livestream
Details
Alternative Ausstrahlungstermine
16.08.2016 06:40arte