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Räubergeschichten

Zwei Männer und ihr Traum vom schnellen Geld
Samstag, 13.08.2016 17:30 Uhr
HR
Samstag
13.08.2016
17:30 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Es scheint ganz einfach zu sein: Man nimmt allen Mut zusammen, zieht sich eine Strumpfmaske über den Kopf, betritt eine Bank und fuchtelt mit der Waffe vor der Nase des Kassierers herum. Wenn man Glück hat und der Polizei entwischt, hat man nachher ein wenig mehr Geld in der Tasche als zuvor. Dies war auch der Plan von Heinz-Otto Hermann und Steffen Gatz, zwei ehemaligen Bankräubern.
Im Januar 1998 steht Heinz-Otto Hermann vor der Sparkasse in Neukirch in der Lausitz. Es ist die erste Bank, die er überfällt und der Überfall gelingt. Doch das erbeutete Geld reicht hinten und vorne nicht. Denn Heinz-Otto Hermann hat hohe Schulden, die er sich durch Immobiliengeschäfte mit kriminellen Geschäftspartnern selber eingebrockt hat. Hermann überfällt 27 weitere Banken. Bei der 28. Bank wird er geschnappt. Weil er anfangs eine rote Maske trug und immer höflich zu seinen Opfern war, nennen die Ermittler ihn "Rotkäppchen". Was aber trieb den ehemaligen Soldaten der DDR-Volksarmee zu diesen Überfällen? Und wie kam es, dass seine Familie davon nichts mitbekommen hat? Hermann wird zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sechseinhalb Jahre sitzt er im Gefängnis ab. Heute ist er ein freier Mann und versucht sich durch Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Und er plant eine Pilgerreise nach Jerusalem.
Bei Steffen Gatz währte das Glück mit dem schnellen Geld gerade mal 20 Minuten. Dann schnappt ihn die Polizei. 10.000 DM erbeutete der damals 23-Jährige in einer hessischen Sparkasse. Dass ein junger Kerl mit so hübschen braunen Augen so etwas tut - die Bankkassiererin ist außer sich vor Gericht. Fünf Jahre Knast bekommt Gatz für den Banküberfall. Nur seiner Schwester erzählt er, wozu der Überfall wirklich hätte gut sein sollen: Drogensucht bestimmte sein Leben. Heute ist Gatz 52 und lebt in einer kleinen Wohnung zusammen mit Katze, Papagei und Kanarienvogel. In den Augen vieler bleibt er ein Krimineller. Am liebsten möchte er wegziehen an die Ostsee und endlich Ruhe finden: An einem Ort, wo es Meer und viel Wald gibt. Schon als Siebenjähriger verbrachte er ganze Nächte im Wald, wo er bis heute seine einzigen Freunde hat: die Tiere. Die taten ihm wenigstens nichts - im Gegensatz zu seiner Stiefmutter, die ihn jahrelang misshandelte.
Was haben sich Heinz-Otto Hermann und Steffen Gatz bei ihren Raubzügen gedacht? Dass alles gut geht und sie nie geschnappt werden? Was war der Plan und warum ist er schief gegangen? Wie blicken zwei ehemalige Bankräuber auf ihre Vergangenheit? Wie denken sie heute über Raubzüge und übers Geld, über die Welt und den lieben Gott?
Horizonte - Film von Marco Giacopuzzi

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 13.08.2016 um 17:30 Uhr auf HR.