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Der optimierte Mensch

Die Verheißungen der Wissenschaft und unser Menschenbild
Montag, 01.08.2016 05:55 Uhr
HR
Montag
01.08.2016
05:55 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Die biomedizinische Forschung präsentiert immer neue Erkenntnisse. Die Heilsversprechen kündigen immer neue Therapien an, ja selbst die Möglichkeiten, eines Tages Krankheiten im Keim "auszumerzen". Vor zwanzig Jahren galt das Schaf Dolly als Signal des gentechnologischen Fortschritts: Im Genlabor im schottischen Edinburgh geklont, war es Symbol für neue Möglichkeiten in der Forschung, aber auch Symbol für die Ängste vieler Menschen vor einem fragwürdigen Fortschritt. Wenig später sorgten sogenannte Rettungsgeschwister für Aufsehen: Kinder, die mit ihrem Erbgut bewusst so ausgewählt und gezeugt wurden, um mit ihren Stammzellen das kranke ältere Geschwisterkind zu retten.
Mittlerweile ist von einem neuen bahnbrechenden Durchbruch in der Biomedizin die Rede, der sogenannten Genchirurgie: molekularbiologische Werkzeuge, mit der einzelne Bausteine des Erbguts oder ganze Abschnitte ausgetauscht, herausgeschnitten oder eingefügt werden können. Bisherige Methoden, mit denen Forscher in das Erbgut eines Organismus eingreifen wollten, waren im Vergleich dazu eher grobschlächtig. Mit dem CRISPR genannten Verfahren können Wissenschaftler exakt an der gewünschten Stelle der DNA einen Schnitt vornehmen und diesen Abschnitt reparieren. In den USA entdeckt, haben chinesische Wissenschaftler damit bereits in das Erbgut befruchteter menschlicher Zellen eingegriffen. Der Eingriff in die menschliche Keimbahn erscheint da nicht weit. So ist es selbst manchen Forschern nicht recht geheuer, wenn sie ob des rasanten Fortschritts über die Grenzen möglicher gentechnischer Manipulationen des Menschen nachdenken. Denn was in der Keimbahn geschieht, wird an die nächsten Generationen vererbt und lässt sich nicht mehr zurückholen.
Mit jeder Errungenschaft in der Biomedizin wird nicht nur massiv in die Evolution eingegriffen. Auch das Bild vom Menschen wird verändert. Bereits heute geht die Zahl der Kinder, die behindert auf die Welt kommen, zurück. Die Methoden, Behinderung bereits im frühen Stadium der Schwangerschaft zu erkennen, werden immer präziser. Betroffene Elternpaare entscheiden sich dann meist gegen ein behindertes Kind. Die Optimierung des Menschen beginnt schon im Embryo-Stadium. Später im Leben sollen Errungenschaften der Medizin dann Krankheiten vom Hals schaffen und ein langes gesundes Leben ermöglichen. Doch gehört es nicht unweigerlich zum Menschsein dazu, dass er auch schwach und gebrechlich und am Ende ganz sicher sterblich ist? Welche Folgen haben all diese Veränderungen auf das Menschenbild, auf das gesellschaftliche und soziale Miteinander? Wie verändert sich das Bild vom Schwachen und Behinderten? Wenn auch viele Verheißungen der Biomedizin noch wie Zukunftsmusik anmuten: Der Fortschritt ist unaufhaltsam und wird in den nächsten Jahren mit vielen neuen ethischen Fragen konfrontiert wir müssen Stellung beziehen.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 01.08.2016 um 05:55 Uhr auf HR.