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Nazis im BND

Neuer Dienst und alte Kameraden - Thema: Wer bespitzelt wen?
Freitag, 29.07.2016 10:55 Uhr
arte
Freitag
29.07.2016
10:55 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Als im Jahr 2011 vier deutsche Historiker vom Bundesnachrichtendienst den Auftrag bekamen, die Geschichte der Behörde zu erforschen, sagte der damalige BND-Chef Ernst Uhrlau: "Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist." Alois Brunner und Klaus Barbie waren die Schlüsselfiguren bei der Deportation und Ermordung der französischen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Beide entzogen sich der Strafverfolgung und wurden von französischen Gerichten in Abwesenheit verurteilt. Beiden wurden gute Kontakte zum BND beziehungsweise zu seinem Vorgänger, der "Organisation Gehlen", nachgesagt. Wenn nun das "Fass" geöffnet würde - würden sich konkrete Beweise finden? Was verraten die Akten aus dem BND-Archiv über Rekrutierung und Einsatz von SS-Männern und NS-Funktionären?
Die Dokumentation schildert, wie Männer von SS und Gestapo den Geheimdienst in den ersten Jahren der Bundesrepublik prägten. Von 1946 bis 1968, das waren die Jahre, in denen Reinhard Gehlen, Hitlers Chefaufklärer Richtung Osten, den Geheimdienst im westlichen Nachkriegsdeutschland aufbaute und den "Dienst" der jungen Bundesrepublik Deutschland führte. Er holte vor allem alte Kameraden aus der Abteilung "Fremde Heere Ost" in den neuen Dienst. In den Akten findet die Filmemacherin Christine Rütten Belege dafür, wie auch in Nürnberg verurteilte und später begnadigte Kriegsverbrecher alten Kameraden erstklassige Zeugnisse für den Dienst ausstellten.
Als Anfang der 60er Jahre die großen Prozesse um Adolf Eichmann in Jerusalem und in Frankfurt um die Wachmannschaften des Konzentrationslagers Auschwitz die Öffentlichkeit aufrüttelten, geriet auch das Personal des BND in die Kritik. Eine unfreiwillige Entnazifizierung aller hauptamtlichen Mitarbeiter der Behörde war die Folge. Hans-Henning Crome führte damals die Untersuchungen. Er schildert in dem Dokumentarfilm, wie bestürzt er war, als er die Lebensläufe seiner Kollegen überprüfte.
Für die Dokumentation sichtete Christine Rütten zahlreiche, zum Teil bislang nicht zugängliche Akten und zeigt, wie sogar Massenmörder auf die Gehaltsliste des BND kamen und wie sie aus ihrem speziellen Wissen auch nach dem Krieg Kapital schlagen konnten. Am Ende aber muss sie sich immer noch die Frage stellen, ob der Bundesnachrichtendienst auch in Sachen Geschichtsaufarbeitung nach dem bewährten Geheimdienstmotto vorgeht: "Niemand soll mehr wissen, als er wissen muss."
Im Jahr 2016 wird die Unabhängige Historikerkommission (UHK) ihre Ergebnisse zu diesem Thema vorlegen.
Dokumentation Deutschland 2012
Thema: Wer bespitzelt wen?
Super-Spähprogramme, Massenüberwachungen, immer neue Enthüllungen: Das Misstrauen der Menschen in Europa gegenüber den Geheimdiensten sitzt tief. Auch der BND ist in den letzten Jahren heftig unter Druck und in die Kritik geraten: "Freunde" wurden ausgespäht, diverse Referate führten offensichtlich ein Eigenleben, die Spitze des BND wurde unlängst ohne weitere Angabe von Gründen vorzeitig neu besetzt.
THEMA hinterfragt kritisch die Arbeit des BND, stellt seinen Dienst insgesamt auf den Prüfstand, blickt aber auch zurück zur Geburtsstunde des BND und legt offen, in welchem Ausmaß der Geheimnisdienst in den ersten Jahren der Bundesrepublik von SS-Angehörigen und Nazi-Funktionären geprägt wurde.
Der zweite Teil des Abends taucht in eine Zeit, als Spionage noch ohne Super-Spähprogramme auskommen musste und dennoch entscheidend in den Lauf der Geschichte eingriff: Eine Doku-Fiktion durchleuchtet die Verstrickungen des FBI in die US-Politik aus Sicht von Edgar Hoovers Assistenten und heimlichen Geliebten, und ein Profiler von heute rekonstruiert eine spannende Spionageaffäre aus dem Zweiten Weltkrieg.

Regie: Christine Rütten\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 29.07.2016 um 10:55 Uhr auf arte.

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Alternative Ausstrahlungstermine
29.07.2016 10:55arte19.07.2016 21:50arte