In Rauris im Salzburger Land verbringen fünfzehn Noriker-Hengste den Sommer gemeinsam auf der Grieswiesalm. Damit die Rangordnung unter den Zuchthengsten vorher geklärt ist, werden sie vor dem Auftrieb im Juni alle zusammen in einen Pferch gesperrt. Sobald alle Hengste im Pferch stehen, gibt der Pferdehirt Andreas Koidl ein Zeichen, die Hengsthalter nehmen den Tieren das Halfter ab und verschwinden eiligst aus dem Gatter. Die bis zu einer Tonne schweren Hengste gehen nun wie vom Dämon besessen aufeinander los. Sie schreien und grunzen, schlagen, stampfen und beißen, unter ihren Hufen bebt die Erde. Sie richten sich auf, stehen auf den Hinterbeinen und versuchen sich gegenseitig niederzuringen. Das Spektakel dauert eine knappe Stunde. Dann haben die Hengste unter sich ausgemacht, wer ihr Anführer ist. Diesmal ist es der Glanzrappe Mogul, er wird einen Sommer lang der Herde unangefochten vorangehen.
Aber trotz solcher Temperamentsausbrüche ist der Noriker ein sanftes und ruhiges Pferd – und ein unermüdlicher Arbeiter. Die Noriker ziehen den Pflug, im Holz sind sie unschlagbar, vor der Kutsche und dem Bierwagen sind sie ganz in ihrem Element. Auch beim Mähen von Wiesen haben diese Gebirgskaltblutpferde viele Vorzüge. Im Juli kommt Werner Lanner mit seinem Hengst Joggi auf die Arche-Alm am Seewaldsee zu seinem Freund, dem Bauern Thomas Strubreiter. Dann wird der Joggi vor die Mähmaschine gespannt, was die geschützten und artenreichen Wiesen schont. Werner ist auch der Obmann des Schnalzervereins. Das ist erwähnenswert, denn im Tennengau schwingen die Schnalzer ihre fünf Meter langen Peitschen hoch zu Ross. Das Ross, über dem die Peitsche zischt und knallt, ist immer ein Noriker. Wir sehen das bei der feierlichen Glockenweihe in Taxenbach.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 18.07.2016 um 21:00 Uhr auf ARD alpha.