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Kannibalen - Im Herzen Europas?

Dokumentation Deutschland / Großbritannien 2011 - Thementag: Archäologie
Samstag, 18.06.2016 18:20 Uhr
arte
Samstag
18.06.2016
18:20 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Anhand eines aufsehenerregenden archäologischen Funds im pfälzischen Herxheim untersuchen Archäologen die Frage, ob es im Neolithikum Kannibalismus auf europäischem Boden gab oder ob sich die Spuren, die von menschlichen Überresten gefunden wurden, auch durch andere kulturelle Praktiken von Angehörigen der agrarischen Linear-Band-Kultur erklären lassen.
Die gefundenen Knochen sind 7.000 Jahre alt, das zeigen C-14-Analysen. Sie wurden im südpfälzischen Herxheim in einem doppelten Grubenring um eine Siedlung der Jungsteinzeit entdeckt. Doch hier wurde offensichtlich niemand bestattet. Die Männer, Frauen und Kinder, denen diese Knochen gehörten, könnten rituell geopfert worden sein. Darauf weisen jedenfalls viele Indizien hin.
Jeanine I. Butler geht mit dieser Dokumentation über den sensationellen Fund von Herxheim an den Ort des Geschehens. Die Toten gehörten zur sogenannten linearbandkeramischen Kultur, der frühesten Zivilisation von Bauern in Mitteleuropa. Sie lebten viele Jahrhunderte relativ friedlich in Europa, bevor sie spurlos verschwanden.
Ging diesem Ende eine Krisenzeit voraus, die den aufsehenerregenden Fund von Herxheim erklärt? Archäologen untersuchen, ob die Funde von Knochen, zerschlagener Prunkkeramik und anderer zerstörter Artefakte von Herxheim Hinweise auf den letzten, verzweifelten Versuch einer zum Untergang bestimmten Gesellschaft darstellen, durch Menschenopfer und rituellen Kannibalismus dem eigenen Ende zu entgehen.
Andrea Zeeb-Lanz von der Direktion Landesarchäologie Speyer, Leiterin eines internationalen Teams deutscher, französischer und Schweizer Experten, will gemeinsam mit ihren Kollegen mit den Methoden der forensischen Archäologie klären, was in Herxheim wirklich geschehen ist.

* Thementag Archäologie

Archäologen suchen nach den Spuren untergegangener Zivilisationen und Kulturen, um Lebensweise und Strukturen früherer Gesellschaften besser zu verstehen. Ihre Entdeckungen können spektakulär oder auch bescheiden sein. Doch immer liefern Ausgrabungsstätten Erkenntnisse über die Menschen, die einst dort lebten. Am Samstag, den 18. Juni, lädt ARTE zu einer archäologischen Zeitreise ein und begibt sich mit einem internationalen Forscherteam an verschiedene Grabungsorte.
In der vergessenen Maya-Stadt Naachtun im Urwald von Guatemala wird die Schrift der Maya entschlüsselt, die noch bis vor kurzem ein Rätsel war. Eine weitere Etappe sind die Hängenden Gärten von Babylon, das einzige von sieben Weltwundern der Antike, für das noch kein archäologischer Nachweis gefunden wurde. Dank der außergewöhnlichen Funde der britischen Wissenschaftlerin Stephanie Dalley kann nun erstmals genau bestimmt werden, an welchem Ort sich die legendären Gärten befanden, wie sie aussahen und wie sie erbaut wurden.
Auch ein niederländisches Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert, das in der Ostsee auf Grund lief, gibt Rätsel auf. In Spanien untersuchen Paläontologen an einer prähistorischen Fundstätte die Familienstruktur der Neandertaler. Andere Forscher erläutern, wie die Pharaonen die militärische Vorherrschaft über die Welt der Antike erlangten.
In Peru wird das plötzliche Verschwinden der einst mächtigen Moche-Kultur untersucht. Und es kommt zur Enthüllung neuer Erkenntnisse über den Untergang der Ureinwohner der Osterinsel: Möglicherweise stimmt die oft vertretene These des selbst verursachten Ökozids nicht, und es waren weiße Siedler, die den Inselbewohnern ein Ende bereiteten.
ARTE reist in die Vergangenheit - am Thementag Archäologie.

Regie: Jeanine Isabel Butler\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 18.06.2016 um 18:20 Uhr auf arte.