Die Etrusker kannten schon um 400 vor Christus gepflasterte Wege. Die Römer übernahmen - wie so vieles - auch die Straßenbaukunst von ihren einstigen Herren und brachten sie zur Vollendung. Rom war das Zentrum eines gewaltigen Reiches. Die Stadt ist noch heute voller Spuren dieser glorreichen Zeit. Dazu zählt auch der Largo Argentina, ein Platz mit antiken Säulen aus dem dritten und vierten vorchristlichen Jahrhundert. Dort dienen heute die vielen Katzen, die während der Römerzeit die Kornkammern vor gierigen Nagern schützten, Touristen als Fotoobjekte.
Nördlich von Rom liegt Blera. Die Stadt war über die Via Clodia, eine Fortsetzung der Via Cassia, mit Rom und anderen wichtigen Orten verbunden. Unweit davon reiten die Butteri, die letzten italienischen Cowboys, über die Hügel und Ebenen. Voller Stolz halten sie als sattelfeste Hirten der typischen Maremma-Rinder an einer 500 Jahre alten Tradition fest.
Abseits der Via Cassia liegt Montegabbiano. Dort soll sich der heilige Franziskus von Assisi eine Hütte aus Scarsa - einer Moorpflanze, der der Ort seinen Namen La Scarzuola verdankt - gebaut und 1218 ein Kloster gegründet haben. In La Scarzuola wollte der Mailänder Architekt Tomaso Buzzi, der den Klosterkomplex 1957 erwarb, die ideale Stadt errichten. Nach seinem Tod hinterließ er sein Geschöpf aus Stein unvollendet und wünschte sich, dass die Natur davon Besitz ergreife. Der Bau wird heute von Buzzis Neffen Marco Solari fortgesetzt.
Am Ende der Reise liegt Florenz. Die Stadt, die von Julius Cäsar gegründet wurde, diente zuerst als Kolonie für römische Kriegsveteranen. Doch mit der Errichtung von Forum, Theater und Thermalbädern wurde aus der Colonia eine Stadt. Doch Florenz erblühte erst, als Rom bereits verblüht war.
Rund 85.000 Kilometer gepflasterte Wege verbanden einst im Römischen Reich Europa mit Kleinasien und dem Vorderen Orient. Jahrhundertelang wurden sie als Handelsstraßen, Marschrouten und Nachrichtenpassagen von Händlern, Soldaten, Regierungsbeamten und kaiserlichen Kurieren benutzt. Als das Imperium unterging, überdauerten die Trassen, entlang derer Städte und Dörfer, Zivilisationen und Kulturen gediehen waren. Noch heute zeugt das gewaltige Straßennetz vom Reichtum und der Vielfalt überlieferter Traditionen. Trotz des vor 2.000 Jahren herrschenden römischen Großreichs haben die alten Länder Charakter sowie Eigenart bewahrt und sich zum multikulturellen Mosaik Europa entwickelt. Der Filmemacher Jeremy J.P. Fekete unternimmt eine Spurensuche über Autobahnen und Schotterstraßen, durch Dörfer und Großstädte.
Dokumentationsreihe Frankreich 2015
Regie: Jeremy J.P. Fekete\nProduzent: ARTE\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 16.06.2016 um 10:55 Uhr auf arte.